#psyche: 13 Dinge, die mein Fahrrad mich übers Leben gelehrt hat

Foto: Dana Vollenweider / unsplash.com

Als ich meine Firma im Frühling Insolvenz anmeldete und ich entlassen wurde, kaufte ich mir ein Fahrrad. Nicht das auf dem Foto oben, sondern ein türkisfarbenes Pegasus-Rad in der kleinsten Erwachsenengröße, die der Laden vorrätig hatte.

In diesem Moment war das eine ganz schöne Investition für mich, denn dafür ging ein schöner Teil meines Ersparten drauf. Aber konfrontiert mit Monaten voller Tatenlosigkeit und dazu noch dem Corona-Lockdown brauchte ich das einfach. Und es war eine der besten Entscheidungen, die ich in diesem Jahr getroffen habe.

Die vielen schönen Runden, die ich einsam damit durch die Natur gedreht habe, haben mich in der Phase des erzwungenen Nichtstuns bei Verstand und Laune gehalten. Doch da ist noch mehr. Wenn ich alleine so vor mich hinradle, ordnen sich meine Gedanken fast von selbst. Deshalb ist jeder Ausflug mit dem Fahrrad eine kleine spirituelle Reise, von der ich körperlich erschöpft und mental erholt zurückkomme.

Heute morgen bin ich ins Main-Taunus-Zentrum gefahren. Die Strecke führt über die Felder, durch kleine Wäldchen und an Pferdekoppeln vorbei und ist insgesamt rund 16 Kilometer lang. Seitdem ich wieder arbeite, habe ich das nicht mehr gemacht – und ich merke, dass meine Kondition nachgelassen hat. Trotzdem habe ich den Weg gut geschafft und im MTZ sogar noch eine schöne Mütze mit passendem Schal gekauft.

Auf dem Rückweg habe ich übers Leben nachgedacht und wie sehr es doch dem Radfahren gleicht. Auf einer Bank mitten im einsamen Feld habe ich mir Notizen gemacht. Dabei herausgekommen sind

13 Dinge, die mein Fahrrad mich übers Leben gelehrt hat

  1. Wir alle fahren: Der Eine gerade bergauf, der Andere bergab. Auch wenn es vielleicht so aussieht, für niemanden ist das Leben immer mühelos. Also vergleiche dich nicht so sehr mit anderen.
  2. Wenn es für dich gerade bergauf geht und anstrengend ist, mach dir bewusst, dass das nicht für immer so weitergeht. Bald wirst du oben ankommen, dann wird alles wieder leichter. Das ist ein Gesetz der Physik (glaube ich).
  3. Wenn man Pause macht, kommt man weiter. Auch kurze Pausen bringen viel.
  4. Du bist ein Teil dieser Welt. Das spüre ich auf dem Fahrrad viel deutlicher, als wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Die Menschen grüßen sich, man fühlt den Fahrtwind, hört das Blätterrascheln, riecht den Herbst.
  5. Ein Perspektivenwechsel kann alles verändern. Deshalb lohnt es sich immer, zur Seite zu treten und den Blickwinkel zu verändern.
  6. Such dir ein Ziel. Wenn du weißt, wohin du willst, fährt es sich leichter.
  7. Meist führen mehrere Wege zu deinem Ziel, und sie sind verschieden schwer. Gerade anhand der Strecke Kelkheim-MTZ kann man das gut beobachten. Es gibt diverse Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Eine Route hat nur leichte Steigungen, die andere führt hoch und runter. Eine führt durch die Dörfchen, eine übers Feld, eine an einer vielbefahrenen Straße entlang. Nicht immer ist die, die hinzu gut war, auch für den Rückweg die Beste. Doch um das zu wissen, muss ich alle mal ausprobiert haben.
  8. Wenn es zu heftig wird, gib nicht auf, sondern schalte einen Gang runter oder steig ab und schiebe. Aber bleib nicht stehen.
  9. Klingle selbstbewusst, damit man weiß, dass du vorbei willst. Ein sehr schöner Ratschlag fürs Radfahren genauso wie fürs Berufsleben.
  10. Es ist egal, wie du aussiehst. Verschwitzt, rotes Gesicht, Helmfrisur – wenn ich mein Rad irgendwo parke und mich gerade frage, wie um aller Welt ich wohl aussehe, merke ich plötzlich, dass die Leute mich anlächeln.
  11. Nimm nur so viel, wie du brauchst – und wie du tragen kannst. Uns allen würde es gut tun, ressourcenschonender einzukaufen. Besonders fällt einem das auf, wenn man versucht, eine große Einkaufstasche in einen kleinen Fahrradkorb zu quetschen.
  12. Wenn das Wochenende dich stresst und du fürchtest, nicht abschalten zu können, geh raus und verausgabe dich körperlich. Danach ist das Ausruhen eine Freude.
  13. Verfahre dich und genieße den Umweg. Denn das ist das Leben.

5 Kommentare

      1. Das stimmt, daher auch die Empfehlung mit der Zielsetzung. Aber wenn man sich verfährt, kann man das nicht ändern, das passiert jedem mal. Und dann sollte man so viel daraus lernen wie nur irgendwie möglich.

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