Erstes Mal im Laden: Zu voll, zu laut, zu alles

Foto: Mike Petrucci

Am Freitag war ich mit zwei Freundinnen in Bad Vilbel spazieren (ganz so, wie man sich während der Pandemie eben trifft). Ich wusste, dass im Wetteraukreis bereits seit ein paar Tagen die zweite Lockerungsstufe in Kraft war, doch als wir über den Marktplatz in der neuen Stadtmitte schlenderten, vorbei an H&M und Depot, war es trotzdem ein zutiefst irritierender Anblick, wie die Menschen dort hinein und hinaus strömten. Erlaubt, natürlich – aber doch eben ungewohnt, nach den vielen stillen Monaten und der Übergangszeit voller Regeln und Beschränkungen.

Nach unserem Spaziergang beschlossen wir, selbst mal einen Blick in die Läden zu werfen. Doch kaum, dass wir uns die Hände desinfiziert und den Shop betreten hatten, wollte ich wieder raus.

Die Reize, die auf uns einstürmten, waren einfach zu viel.

Sanfte, einschmeichelnde Musik. Geschickt gesetzte Beleuchtung. Glänzende Waren mit roten Reduziert-Schildchen. Gerüche, so viele Gerüche: Raumdüfte, Plastik, Stoff, Staub. Parfüms, Schweiß. Klimaanlagenluft. Dazu die Maske. Und viel zu viele Menschen, die zu nah neben mir stehen.

Nein, das war nichts, was ich genießen konnte. Oder wollte.

Wieder draußen an der frischen Luft versuchte ich, das eben Erlebte zu verarbeiten. Und kam zu dem Schluss, dass ich nach monatelangem Verzicht auf ein reales Shoppingerlebnis offenbar völlig reizentwöhnt bin.

Foto: Josh Maddocks

Eigentlich ist das ja eine sehr gute Sache – aber auch ein ernster Hinweis darauf, dass ein nahtloses Anknüpfen ans Frühere nicht möglich sein wird. Das überrascht mich. Und es erschreckt mich auch ein bisschen, denn wir müssen und wollen ja zurück zum normalen Leben. Aber das wird nicht gehen ohne eine etwas sanftere Übergangszeit. In der wir uns wieder an die Reize gewöhnen und wahrscheinlich viel schlafen werden – so wie Babys, die jeden Tag Millionen neue Eindrücke verarbeiten müssen. :D

Es ist bemerkenswert, wie sehr wir uns verändert haben in diesen wenigen Monaten.

Wie ist das bei Euch? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie war Euer erster Bummel seit der Öffnung? Oder geht Ihr dem bewusst (noch) aus dem Weg?

4 Kommentare

  1. Ich war noch gar nicht wieder in Geschäften, aber wenn zu viele Leute drin wären, wäre ich draußen. Gottseidank ist das nicht überall der Fall. LG Anke

  2. Im Umfeld von Menschen, die sich noch im Pandemie-Modus befinden d. h. auf Abstand achten, Masken tragen, … agiere ich inzwischen ziemlich entspannt. Volle öffentliche Verkehrsmittel, volle Läden, Menschenansammlungen, Zeitgenossen, die einem auf die Pelle rücken, als wäre nie was gewesen sind ein absoluter Fluchtgrund. Meine Komfortzone ist meine Wohnung. – Überhaupt muss man vielleicht einmal überdenken, was denn normal ist. Manchmal habe ich das Gefühl, nach außen hin endlich den Abstand einzuhalten, der meinem ganz normalen Bedürfnis entspricht.

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