#lesen: Pancakes und der Sinn des Lebens

Ich habe das ziemlich gehypte Buch "Das Café am Rande der Welt" von John Strelecky gelesen. Hier erzähle ich, wie es mir gefallen hat - und ob ich etwas daraus mitnehme.
Foto: R. Mac Wheeler

Die Erzählung „Das Café am Rande der Welt“ ist bereits 2003 erschienen – doch gerade in den letzten paar Wochen ist mir der Titel in Gesprächen immer wieder begegnet. Offenbar hat so mancher Leser es in unseren sinnsuchenden Zeiten neu für sich entdeckt. Und plötzlich redet gefühlt die ganze Welt darüber. Deshalb war ich, als ich die Taschenbuch-Ausgabe für neun Euro in einem Buchladen in Mainz entdeckt habe, wirklich sehr neugierig.

Gestern habe ich den Nachmittag mit dem Buch auf dem Balkon verbracht. Und nun, nach ein paar Stunden netter Lektüre, verstehe ich die Faszination, die Text (und Illustrationen) auf viele Menschen ausüben. Die Geschichte ist eigentlich simpel und dient nur als Vehikel für die philosophischen Botschaften: John, ein gestresster Managertyp, verfährt sich und landet im hintersten Teil der USA in einem Diner. Dort will er eigentlich nur etwas essen und wissen, wie er zurück auf den Highway kommt. Doch noch ehe er begreift, was passiert, wird er konfrontiert mit den drei großen Fragen des Lebens. Wie sich herausstellt, serviert man dort nämlich nicht nur Pfannkuchen, Rührei mit Speck und Erdbeer-Rhabarber-Kuchen, sondern auch tiefgreifende Gespräche, die einen glatt vom Essen abhalten können. Die Nacht in dem Café ist nicht weniger als lebensverändernd für John. Und soll es, das wird ziemlich deutlich, auch für uns Leser sein.

Wie hat es mir gefallen? Das ist eine gute Frage. Ich bin froh, dass ich es gelesen habe, denn die Themen, die dort angesprochen werden, können dazu beitragen, sich auf die Suche nach einem erfüllteren Dasein zu machen. Mit gerade einmal 127 Seiten ist es eher ein dünnes Büchlein, so dass man es gut in einem Rutsch durchlesen kann. Doch gerade, wenn man es auf diese Weise durchpflügt, fällt einem auf, wie oft Dinge wiederholt werden. Ja, es scheint, als ob manche Botschaften geradezu mit dem Hammer eingeklopft werden sollen. Und das hat leider etwas Plumpes.

Und sonst? Sagen wir mal, es liest sich ein bisschen wie eine grobe Zeichnung. Die Erzählweise ist etwas hölzern, die Figuren treten auf und ab, auf und ab wie auf einer Theaterbühne, was etwas unelegant gelöst ist – und jeder gesprochene Satz wird mit dem Vornamen des Gegenübers eingeleitet, damit man auch ja mitkriegt, wer wen gerade anspricht.

Es ist ein Buch, dem es um den Inhalt geht und nicht um die Erzählweise. Was durchaus seine Berechtigung hat. Denn der Inhalt an sich ist stark und hilfreich. So habe ich natürlich auch darüber nachgedacht, was denn mein persönlicher ZDE (Zweck der Existenz) ist. Lustigerweise glaube ich, dass ich zu denen gehöre, die das schon seit ihrer Kindheit wissen: Mein Zweck der Existenz ist es, Geschichten zu erzählen, und glücklichweise habe ich danach auch meinen Beruf gewählt. Und natürlich auch mein Privatleben aufgebaut. Wenn ich frei habe, konsumiere ich vorwiegend Geschichten: Solche, die mir Freunde und Zufallsbekanntschaften erzählen, Bücher, Filme. Aber dank des „Cafés“ ist mir bewusst geworden, dass ich auch drumherum noch sehr viel mehr tun könnte, das diesem Zweck entspricht und mich glücklich macht. Diese Botschaft werde ich aus der Lektüre mitnehmen – und auch den coolen Gedanken, sich mit dem Wellengang treiben zu lassen, statt dagegen anzuschwimmen.

Unterm Strich würde ich sagen, es waren gut investierte Stunden, die ich mit dem „Café am Rande der Welt“ verbracht habe, weil ich etwas daraus auf mein eigenes Leben anwenden kann. Ob es den Hype verdient? Schwer zu sagen. Ich glaube, in der aktuellen Zeit bedient es bei vielen Menschen eine große Sehnsucht nach einem erfüllteren Dasein. Vielleicht ist es deshalb gerade noch beliebter als nach seinem Erscheinen.

Das Buch kostet als Taschenbuch 8,95 Euro, als Hardcover 15 Euro, und ist bei dtv erschienen. Von Autor John Strelecky gibt es mittlerweile, wie es sich für einen guten Merch gehört, noch zahlreiche Folgebücher, die alle auf dem „Café“ aufbauen. Weitere Infos dazu gibt es auf der Verlagswebseite.

3 Kommentare

  1. Hi, ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen – so als Einstieg in den Wandel, den ich in meinem Leben haben wollte, zu mehr Achtsamkeit u bewusstem Gestalten meiner Tage. Den Hype fand ich übertrieben, einige seiner sich wiederholenden Botschaften doch wertvoll. Letzten Endes habe ich in den letzten Jahren jedoch festgestellt, dass ich die Botschaften verstanden habe, es jedoch eine Herausforderung finde, sie im täglichen Leben umzusetzen. Täglich. Aufs Neue. ;)

    1. Danke für deine Gedanken. Ja, vermutlich ist es eine Sache, das Prinzip zu verstehen, und eine andere, danach zu leben. Hast du denn in deinem Leben an ein paar größeren Schrauben gedreht, nachdem du das Buch gelesen hast? Liebe Grüße.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s