Das Wochenende war emotional ziemlich anstrengend für mich. Ich habe Euch ja schon berichtet, dass ich mein Privatleben gerade umorganisiere – und dass mir das eigentlich verdammt gut tut. Am Freitag nun habe ich mir frei genommen, einfach weil ich ein paar Überstunden zu viel auf dem Zeitkonto hatte. Und natürlich habe ich mich sehr gefreut auf das lange Wochenende.
Da war ich nun. Freitag, keine Pläne, ein Buch auf dem Schoß, ein Kaffee neben mir, die Füße auf der Heizung. Beste Voraussetzungen, um zur Ruhe zu kommen, sich auszuruhen, die Freiheit zu genießen. Und was passierte?
Ich. Konnte. Nicht. Abschalten.
Es ging einfach nicht. Ich war innerlich so unruhig, dass ich die Wände hätte hochgehen können. Da war diese unfassbare Nervosität, die bis in jede Fingerspitze bitzelte und die das Ausruhen fast unmöglich machte. Mit dem Ergebnis, dass ich plötzlich alles erledigen musste, was im Haushalt so liegengeblieben ist. Dabei wollte ich mich doch nur ausruhen. Was für ein frustrierendes Erlebnis!
Allerdings für mich nichts Neues. Leider. Mit dieser Ruhelosigkeit, die immer dann zuschlägt, wenn ich mich endlich mal ausruhen könnte, habe ich schon vor langer Zeit Bekanntschaft geschlossen. Ich habe ja in den letzten Wochen und Monaten alles getan, um mir Tage freizuschaufeln, in denen ich die Dinge tun kann, die mich eigentlich entspannen und meinen Akku wieder aufladen. Und doch gelingt es mir nur sehr schwer, in meiner freien Zeit Kraft zu tanken.
Denn dann sitze ich da und weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll, um die wenige freie Zeit, die ich pro Woche habe, effektiv zum Ausruhen zu nutzen. Da ist es wieder, dieses kleine Wörtchen effektiv. Eigentlich pervers, oder? Dass selbst die freie Zeit irgendwie effizient genutzt werden muss.
Aber das hilft mir nicht weiter, weil ich in diesem Moment nur an den Sonntagabend denke und weiß, dass ich auch diesmal wieder deprimiert sein werde, weil ich die Chance zur Erholung, die mir das Wochenende geboten hat, einmal mehr nicht genutzt habe. Was soll ich jetzt machen? Soll ich einfach in meinem Sessel sitzen bleiben und über die Panik hinweg atmen? Soll ich rausgehen und möglichst viele Freizeitaktivitäten in möglichst wenig Zeit packen? Was muss ich tun, um mich zu erholen und Kraft zu tanken?
Was stimmt nicht mit mir? Habe ich ein Burn-Out? Oder bin ich einfach ein Workaholic?
Viele Fragen. Alles ist möglich. Am Ende ist es wahrscheinlich eine Mischung aus diesen und noch anderen Gründen, und es gibt nicht die eine Antwort. Vielleicht habe ich auch einfach zu viel Zeit, um darüber nachzudenken. Mir ist schon bewusst, dass eine Mutter, die vielleicht arbeitet und die ganz vielleicht alleine für die Familie sorgen muss, gar keine Kraft hat, sich darüber Gedanken zu machen, ob sie sich adäquat erholt. Ich bin in einer Luxussituation, die sich aber überhaupt nicht so anfühlt.
Ich glaube mittlerweile, dass ich einfach nicht gut darin bin, mit freier Zeit umzugehen. Auf der Arbeit habe ich ein ganz gutes Zeitmanagement, ich behalte die Dinge unter Kontrolle und im Auge, arbeite mit Listen und erstelle mir digitale Erinnerungen. Und dann komme ich heim, habe den ganzen Arbeitstag lang geplant, strukturiert und abgearbeitet – und stehe nun vor einem großen Haufen freier, unstrukturierter Zeit, die einfach zu viele Möglichkeiten bietet. Und plötzlich weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll.
Dazu kommt auch noch, dass der moderne Mensch fünf Tage powert und zwei Tage ruht, um anschließend wieder weiterzupowern.
Aber ausruhen, entspannen und bei sich selbst ankommen klappt halt nun mal leider nicht auf Knopfdruck. Das ist wie eine Vollbremsung – da bleibt man ja auch nicht sofort stehen, sondern hat noch einen Bremsweg. Und den kalkuliert man meistens, wie wir aus der Fahrschule wissen, auch noch viel zu knapp. Das alles fühlt sich an, als ob man bei voller Fahrt auf die Bremse tritt, mit quietschenden Reifen und einem langen, langen Bremsweg ins Wochenende schlittert. Man zieht an der Parkuhr einen Schein – was, nur zwei Stunden? 3,50 Euro pro Stunde? Ach egal! Und Montagmorgen hetzt man dann zum Auto zurück, hofft, dass man keinen Strafzettel bekommen hat und ärgert sich darüber, dass das Auto nur langsam los rollt und einige Zeit braucht, bis es wieder auf Touren ist. Was für eine Zeitverschwendung!
Wie viel einfacher ist es da, gar nicht erst abzubremsen, sondern auch am Wochenende durchzupowern (dann halt mit Verabredungen, Hausarbeit, Steuererklärung, Blog, Bücherschreiben). Zumindest scheint es einfacher. Doch das ist eine böse, böse Falle.
Denn wer niemals abbremst, sondern das Gaspedal immer weiter durchdrückt, der wird immer schneller, immer schneller – bis er die Kontrolle verliert. Und bis abbremsen irgendwann unsinnig erscheint, weil man einfach schon viel zu schnell ist und das jetzt auch ausnutzen will.
Ich glaube, ich habe zu lange durchgepowert und bin zu schnell gefahren. Jetzt habe ich den Fehler erkannt und möchte gerne abbremsen – aber ich habe verlernt, langsamer zu werden und einzuparken.
Klingt alles ziemlich dramatisch.
Und manchmal, wenn ich auf der Parkbank in der Sonne sitze oder versuche, mit einem Buch in meinem Lieblingssessel zu chillen, und einfach nicht runterkomme, fühlt es sich auch verdammt dramatisch an. Björn versteht mich, wie immer zum Glück. Gestern erzählte er mir, dass er sich früher immer den gesamten Jahresurlaub am Stück genommen hätte, weil er immer ein, zwei Wochen gebraucht hätte, bis er überhaupt runterkam und die Erholung einsetzte. Vielleicht ist es ganz normal, dass es mir so geht, weil zwei, drei Tage einfach nicht ausreichen, um an einen Punkt der Entspannung zu kommen.
Außerdem tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich ja gerade dabei bin, etwas zu ändern. Dass ich wahrscheinlich durch eine schmerzhafte Phase der Erkenntnis gehe, in der ich begreife, dass ich mich zuletzt falsch verhalten habe. Dass ich jetzt abbremse und mich hilflos fühle, weil mein Auto schlingert und ausbricht und nicht macht, was ich ihm sage. Und dass dieser Prozess am Ende einfach Zeit braucht.






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