#lifestyle: Warum ich mich nicht mehr für „in zwei Monaten“ verabrede

Meine gute Freundin A. hat sich seit einigen Wochen nicht gemeldet. Vor kurzem habe ich erfahren, warum: Sie hat Ende Januar meinen Blogpost Warum ich für alle Zeit habe, nur für mich nicht – oder: Wie ich zum Weirdo wurde gelesen und sich daraufhin von selbst etwas zurückgezogen, um mir mehr Freiraum zu geben. Als sie mir das jetzt erklärt hat, war ich im ersten Moment betroffen und traurig. Doch es rührt mich auch, dass sie mich auf diese Weise unterstützen will. Also danke.

Als sie mich gefragt hat, wie es mir denn jetzt so geht, musste ich erstmal nachdenken. Aber nach einiger Überlegung kann ich Euch sagen, dass es mir etwas besser geht als noch Ende Januar. Ich fühle mich nicht mehr so gestresst und fange wieder an, Dinge zu genießen.

Denn ich habe in der Zwischenzeit eine Erkenntnis gehabt.

Nämlich, dass der Stress, der mich so runterzieht und der mir alles verdirbt, für mich nicht darin besteht, mich mit meinen Freunden zu treffen, etwas Schönes zu unternehmen oder lecker essen zu gehen. Natürlich nicht. Sondern darin, dass ich diese Verabredungen so langfristig ausmache. Denn bisher war es so: Ich habe an jemanden gedacht, habe in meinen Kalender geschaut und geblättert, wann ich mal Zeit habe, und mich für einen Tag weit in der Zukunft verabredet. Mein Privatleben so langfristig zu organisieren birgt gleich zwei Frustrationsmomente. Denn erstens kann ich am selben Tag nicht das machen, was ich eigentlich machen möchte, nämlich mich mit dieser einen Person treffen. Und zweitens möchte ich, wenn der Tag der Verabredung dann gekommen ist, vielleicht etwas ganz anderes lieber tun, zwinge mich dann aber, zu dem Treffen zu gehen.

Diese beiden Frustrationsmomente machen mir etwas kaputt, das ich eigentlich genießen sollte.

Und das verdirbt einem auf Dauer die Freude. Da ich mich nicht mehr fühlen möchte, als würde ich mein Privatleben „abarbeiten“, habe ich vor gut zwei Wochen eine Entscheidung getroffen und eine Zäsur gemacht, wie mein Ex-Kollege von der „Ärzte Zeitung“ sagen würde.

Was habe ich getan? Ich habe die meisten meiner Verabredungen in den nächsten drei Wochen abgesagt (nicht alle – denn Verabredungen, an denen mehr als zwei Leute teilnehmen, sind eh schon so schwierig auf die Beine zu stellen). Die neu gewonnene Zeit nutze ich jetzt dafür, mich auszuruhen und mir und meinen Bedürfnissen zuzuhören. Denn das habe ich durch mein straff durchgetaktetes Privatleben ja zuletzt total verlernt. Was möchte ich an dem Tag denn tun? Will ich shoppen gehen? Mit Björn kochen? Mich spontan mit einer bestimmten Person verabreden? Oder mich daheim einmummeln und lesen?

Es klingt so dermaßen simpel.

Aber überhaupt an den Punkt zu kommen, dass ich verstehe, was mich an meinem fröhlich-vollen Privatleben so nervt, ist eine große Sache für mich.

Mir ist schon bewusst, dass manches langfristig geplant werden muss, dagegen habe ich auch gar nichts. Ich genieße es nur gerade so unendlich, Dinge zu tun, auf die ich gerade Lust habe. Mir die Erlaubnis zu geben, zu leben, statt nur abzuarbeiten.

Was müsst Ihr nun also tun, um Euch mit mir zu verabreden? Ganz einfach: Mich fragen, ob ich am selben Tag Zeit und Lust habe, Euch zu treffen. Falls das (aus irgendeinem Grund, „keine Lust“ ist neuerdings auch ein erlaubter Grund *g*) nicht geht, fragt einfach ein andermal wieder – oder wartet, bis ich frage. Ich freue mich jetzt schon drauf, mich in dem Moment drauf zu freuen, Euch zu sehen. <3

Den Kalender vom Titelfoto, der mich durchs Jahr begleitet, stammt übrigens aus dem Verlag Ideenwerkstatt und es gibt ihn hier: www.grafik-werkstatt.de

3 Comments

  1. family4travel

    Bei mir sind die Wochenenden bis Pfingsten ausgebucht. Aber unter der Woche habe ich oft die Möglichkeit, spontan was zu machen. Mir da Freiräume vorzubehalten, habe ich gelernt, als die Kinder klein waren und ich irgendwann gemerkt habe, dass ich überhaupt keine Chance habe, mein Leben mit ihnen zu genießen, obwohl ich doch so viel investiert und aufgegeben habe, um sie zu kriegen. Und die von dir beschriebenen Frustrationsmomente sind bei Kindern ja noch einmal viel ausgeprägter. Für uns war es so jedenfalls eine gute Lösung. Inzwischen muss ich manchmal arg betteln, um die Jungs mal zu einem nachmittäglichen Gesellschaftsspiel oder einem gemeinsamen Café-Besuch zu überreden. Dafür habe ich mehr Zeit für mich (und das ändert sich ja bald auch wieder…). Ist auf jeden Fall sehr heilsam, sich nicht alles mit Terminen zu verplanen!

    Ganz liebe Grüße!
    Lena

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