#reisen: Herzzerreißend-schönes, verwirrendes Zagreb

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Ich habe Euch hier ja schon einiges über unseren Kroatien-Roadtrip erzählt. Mit am besten gefallen hat mir Zagreb. Ich hatte vorher kaum eine Vorstellung von Kroatiens Hauptstadt. Doch dann habe ich mich regelrecht schockverliebt in dieses zuckersüße Städtchen, das mit 800.000 Einwohnern größer ist als Frankfurt – und doch so romantisch-verträumt wirkt.

Das liegt an der österreichisch-ungarischen Architektur aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Pastellfarbene Prachtbauten, goldverzierte Fassaden, weitläufige Parks und schnörkelig-schmiedeeiserne Pavillons – Zagreb wird nicht umsonst oft mit Wien oder auch Prag verglichen.

Freilich ist das nur die halbe Wahrheit. Wir haben fast vier Tage dort verbracht, und am letzten Tag sind wir mit der Straßenbahn in die Vororte gefahren. Und was soll ich sagen, dort wehte dann schon eher der graue Geist des Stalinismus zwischen den Plattenbunkern entlang.

Trotzdem habe ich mich sehr in diese vielseitige Stadt verliebt und möchte unbedingt wiederkommen. Hier will ich euch elf Fun-Facts über Zagreb verraten, die vielleicht hilfreich sind, wenn Ihr einen Besuch plant.

1: Zagreb ist (mindestens) zweigeteilt

Man unterscheidet zwischen Unterstadt und Oberstadt. So gut wie alles für Besucher Wesentliche befindet sich in der Unterstadt, in der Oberstadt (auf dem Berg gelegen) sitzen Regierung und Verwaltung.

2: Alles beginnt am Ban Jelačić Platz (Trg bana Jelačića)

Wer die Unterstadt erkunden will, startet hier. Denn der lebendige, weitläufige Platz in der Innenstadt mit der charakteristischen Reiterstatue und den hübschen Zuckerhäuschen ist einfach der beste und zentralste Ausgangsort für alle Unternehmungen. Hier fahren alle Straßenbahnlinien, hier treffen sich Einheimische und Touristen, jeden Tag ist Markt. Die Haupteinkaufsstraße Ilica geht direkt vom Platz ab, außerdem beginnt wenige Schritte entfernt die Ulica Ivana Tkalčića – DAS gastronomische Epizentrum Zagrebs zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und der berühmte tägliche Bauernmarkt Dolac (Dolac 9), auch bekannt als „Bauch von Zagreb“, weil hier alle Restaurants ihre Lebensmittel kaufen, ist auch nur einen Katzensprung entfernt.

3: Auch Einheimische, die in die Oberstadt möchten, nehmen die Seilbahn

Die blaue Standseilbahn (Uspinjača) ist vom Hauptplatz ebenfalls in wenigen Schritten zu erreichen und eine große Touristenattraktion. Sie ist das älteste öffentliche Verkehrsmittel der Stadt und verbindet die Unter- mit der Oberstadt. Beim Anblick der kurzen Bahnstrecke wird klar, dass die Fahrt kaum länger als eine Minute dauern kann, und genau so ist es auch: Eine Fahrt dauert 64 Sekunden und kostet weniger als 1 Euro (5 Kuna). Auf den ersten Blick mag man die Notwendigkeit der Bahn bezweifeln, aber tatsächlich ist der Fußweg bis zur Oberstadt so steil und hat so viele Treppenstufen, dass die Bahn Sinn macht. Deshalb besitzen viele Einheimische sogar eine Dauerfahrkarte für die „alte Dame Zagrebs“.

4: Die Oberstadt ist eine andere Welt

Wer am oberen Ende der Bahn aussteigt, ist in der Oberstadt angekommen. Hier befindet sich der Regierungssitz der Stadt und des Landes, es herrscht eine ruhige und verständlicherweise staatstragende Stimmung. Tatsächlich gibt es dort oben kaum Gastronomie und kaum Läden, dafür eine Kirche, deren Dach in den Farben der kroatischen Flagge geziegelt ist. Und ein fantastisches Museum! Siehe nächster Punkt.

5: Zagreb ist die Hauptstadt des Liebeskummers

Als ich das im Reiseführer gelesen habe, konnte ich es gar nicht glauben: In Zagreb gibt es ein „Museum der zerbrochenen Beziehungen“. Klingt so skurril, dass ich unbedingt hinwollte, und es hat sich (natürlich) gelohnt. Ausgestellt werden Gegenstände, die nach einer Trennung übrig geblieben sind. Zu schade zum wegwerfen, zu viele schmerzhafte Erinnerungen zum Aufheben – genau diese Dinge schicken Menschen mit gebrochenen Herzen an die Initiatoren der Sammlung. Zu sehen sind Hochzeitskleider, Briefe, Kaffeemaschinen, Madonnenstatuen und vieles mehr. Und die Geschichten dazu, die neben den Ausstellungsstücken auf einer Tafel zu lesen sind, sind der Knaller. Anders als es vielleicht scheinen mag ist das Museum deshalb auch kein Geheimtipp mehr, sondern eine feste Größe und mittlerweile das bekannteste Museum Kroatiens. Ein Must-see.

6: Das Café Amelie serviert sensationelle Torten

In Zagreb gibt es eine große Caféhauskultur und fantastische Konditoreien. Viel Zucker hilft viel, ist hier die Devise. Nachdem wir am ersten Tag des Café Amélie entdeckt haben (Vlaška ulica 6), haben wir ihm auch an allen Folgetagen einen Besuch abgestattet und uns durch die unglaubliche Tortenauslage probiert. Dort gibt’s Kalorien, die es wert sind, auf den Hüften zu landen. Generell sind die Kroaten einfach gute Bäcker, die keine Angst vor Fett und Zucker haben. Da wir in einem Airbnb wohnten, haben wir jeden Tag beim Bäcker in unserer Straße gefrühstückt und goldgelben Blätterteig, knuspriges Gebäck und süße Teilchen verspeist. Mega.

7: Es gibt süße Vintage-Läden, die schwer zu finden sind

In Hinterhöfen versteckt gibt es eine handvoll süßer kleiner Second-Hand-Lädchen. Googeln lohnt sich.

8: Die kostenlosen Walking-Tours sind superlustig, aber anstrengend

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Eine geführte Tour durch Zagreb lohnt sich – doch viel Geld muss man dafür nicht beiseite legen. Kostenlose Walking-Touren gibt es mittlerweile ja in jeder größeren Stadt. Wir waren in Zagreb mit Free Spirit Tours unterwegs und hatten wunderbare zwei Stunden mit einem witzigen Guide und einer netten Gruppe. Dabei sind wir auch zu Fuß in die Oberstadt gewandert und haben den legendären Zwölf-Uhr-Kanonenschuss erlebt – nichts für Leute, die schlecht zu Fuß sind. Infos zu Free Spirit Tours in Zagreb gibt es hier. Sie beginnen und enden – natürlich – am Ban Jelačić Platz.

9: Zagreb ist voller Gärten

In der Stadt gibt es mehrere große Parks, die zum Teil ganz kurios organisiert sind, zum Beispiel den dreigeteilten Park, der von der Stadtmitte bis hinunter zum Hauptbahnhof führt (Park Zrinjevac, Park Josipa Jurja Strossmayera und Trg kralja Tomislava). Hier trifft man sich im Sommer, sitzt zwischen top gepflegten Blumenbeeten auf Bänken und akkurat gemähten Rasenflächen und genießt die hübsche Umgebung. Dabei hat jeder Park einen ganz eigenen Charakter. Auch ein Besuch im botanischen Garten Botanicki vrt u Zagrebu (Trg Marka Marulića 9A) lohnt sich. Der Eintritt ist frei, es gibt verschiedene Gewächshäuser und viele verschiedene Pflanzen zu bewundern. An heißen Tagen der perfekte Ort, um sich abzukühlen.

10: Der legendäre Flohmarkt … existiert vielleicht gar nicht

Was haben wir uns auf den Flohmarkt Hrelić gefreut. Wir sind sogar extra noch am Abreisetag morgens dorthin gefahren, weil wir so legendäre Dinge darüber gelesen hatten. Die Anreise zum Flohmarktgelände war allerdings katastrophal – mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch kaum zu machen. Unterwegs hätten Anne und ich uns fast zerstritten, weil wir über eine Stunde die dämliche Bushaltestelle gesucht haben, die einfach nicht zu finden war. Und als wir dann ankamen auf dem weitläufigen, ziemlich gruseligen Gelände, war da einfach – gar nichts. Ein eisiger Wind wehte über leere Rasenflächen, das Ganze sah aus wie ein Militärsperrgebiet. Das trug jetzt nicht unbedingt zur guten Laune bei. Wir waren so frustriert, dass wir uns zurück in die Stadt durchgeschlagen und bei Amélie erstmal ein riesiges Stück Torte verputzt haben. Das war mein persönlicher Tiefpunkt der Reise, ich würde davon abraten, dort hinzufahren.

11: Man kommt nur SEHR schlecht zum Flughafen

In Zagreb kommt man hervorragend mit der Straßenbahn herum, allerdings nicht zum Flughafen. Am besten nimmt man den Shuttle-Bus vom Busbahnhof (Autobusni kolodvor). Informationen darüber sind nur spärlich zu finden, weder online noch vor Ort. Eine Lösung ist, einfach hinzufahren und ausreichend Zeit einzuplanen, die Fahrt kostet um die 15 Euro und dauert rund 40 Minuten. Wer möchte, kann versuchen, die Webseite zu durchschauen.

Der Flughafen-Shuttle ist übrigens auch am Busbahnhof GAR NICHT ausgeschildert, was ich persönlich skandalös finde und worüber ich mich so richtig schön aufregen konnte. ;) Ihr findet ihn, wenn Ihr vor dem Busbahnhof steht, auf der rechten Seite, dort ist neben der Rolltreppe ein Eingang zu den Fernbussen.

Es gibt übrigens noch einen Linienbus, dazu findet man allerdings noch weniger Infos, wer sich traut, kann es hier versuchen.

Ich verstehe nicht so richtig, warum es online kaum Infos zu dieser ja sehr wichtigen Strecke Flughafen-City gibt – meiner Meinung nach ist das total das No-Go. Aber wenn man es einmal raus hat, weiß man es ja. Und vom Flughafen in die City ist es bestimmt einfacher als von der City zum Flughafen. Wir sind ja mit dem Auto in Zagreb angekommen und mussten uns deshalb nur One-Way zum Flughafen durchschlagen. Jedenfalls: Unbedingt genug Zeit dafür einplanen, um Panikattacken (wie bei mir) zu vermeiden.

 

 

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