Umzug in Corona – meine Tipps und Erfahrungen

Foto: Erda Estremera / unsplash.com

Danke, dass so viele von Euch sich in den letzten Tagen nach unserem Umzug erkundigt haben. Mittlerweile ist es (fast) geschafft. Wir sind umgezogen – mitten in Corona, mitten im Voll-Lockdown und dann auch noch mitten im Winter. Da ich von allen Seiten Zuschriften bekommen habe von Menschen, die ebenfalls in den nächsten Wochen und Monaten umziehen werden, möchte ich Euch hier von meinen Erfahrungen erzählen und ein paar Tipps geben, was meiner Meinung nach beim Umziehen in der Pandemie zu beachten ist. Mit Sicherheit ist nichts davon bahnbrechend revolutionär, aber bei so manchem hätte ich mir gewünscht, dass mir vorher jemand diesen Rat gegeben hätte. Deshalb – lieber einmal zu viel gesagt als zu wenig. ;)

Plane übertrieben langfristig

Du hast den Mietvertrag für die neue Wohnung unterschrieben? Herzlichen Glückwunsch! Sobald du eine ungefähre Vorstellung davon hast, wann du umziehen wirst, solltest du beim Bürgerbüro in deiner Stadt einen Termin zur Ummeldung vereinbaren, auch wenn noch keine einzige Kiste gepackt ist. Komisch, oder? Normalerweise denkt man in dieser Phase des Umzugs nur daran, ob wohl alle Möbel in die neuen Räume passen und welche Wandfarbe im Wohnzimmer wohl gut aussehen würde. Doch wer frühzeitig bei der Stadt anruft, spart Nerven und Zeit. Das Gleiche gilt bei Autofahrern für die Zulassungsstelle, wenn du vom einen in den anderen Landkreis ziehst. In Corona geht eben alles nur mit Voranmeldung.

Mach dich bereit, deinen sicheren Hafen aufzugeben

Umziehen ist für sensible Menschen eine Tortur. Alles wird auf den Kopf und infrage gestellt, jeder einzelne Gegenstand im Leben daraufhin betrachtet, ob er noch passt oder gehen muss. Ich habe bereits ein bisschen Umzugserfahrung und wusste daher, was auf mich zukommt. Dashier ist mein vierter großer Umzug (plus der Ein- und Auszug in die größtenteil möblierte Wohnung in England, den ich jetzt mal nicht mitrechne), daher erwischt mich das alles nicht unvorbereitet. Aber Umziehen in Corona ist noch nervenaufreibender, noch anstrengender, noch prüfstandiger. Denn das Zuhause ist in der Pandemie die letzte sichere Bastion, der eine Ort, an dem wir uns geschützt fühlen dürfen. Den aufzugeben ist in der momentanen Situation, vorsichtig gesagt, einfach heftig. Wie kommentierte Meike vorhin auf meinen Text „Umzug, Corona und mehr – Überforderung ahead“: „Trotz aller Vorfreude fühlt es sich in diesen Zeiten irgendwie besonders komisch an, den ,sicheren Hafen‘ aufzugeben und das Gefühl ,Heimat‘ erst wieder neu lernen zu müssen.“ Das kann ich nur unterschreiben. Also mach dich bereit, diesen Verlust stärker zu empfinden als sonst bei Umzügen – und sei nachsichtig mit dir selbst, wenn du ein bisschen trauriger und unsicherer bist als du vorher gedacht hast.

Foto: Debby Hudson / unsplash.com

Der Umzugstag – eher eine Umzugswoche

Ich erinnere mich an Umzüge – meine eigenen und andere, bei denen ich geholfen habe – die in einem Tag erledigt waren. Ein Sprinter, zehn Freunde, kein Thema. In Corona funktioniert das so nicht. Helfen darf genau eine Person. Und mit einem Helfer ist so ein Umzug schlicht nicht zu bewerkstelligen, weil einem igendwann die Energie ausgeht. Daher haben wir uns dazu entschieden, ein Umzugsunternehmen zu beauftragen. Das hat gut 1500 Euro gekostet – und war jeden Cent wert. Wer eine Empfehlung braucht, kann mich gerne ansprechen, wir waren sehr zufrieden mit unseren Umzugsjungs. Eine etwas günstigere Alternative wäre es, sich gleich für mehrere Tage einen Transporter zu mieten oder anderweitig zu borgen und jeden Tag einen Teil der Möbel rüberzubringen. Dann geht das vielleicht auch mit einem Helfer. Doch der kündigt einem danach definitiv die Freundschaft. :D

Alles dauert ewig

In Corona dauert alles gefühlt doppelt so lang wie normalerweise beim Umziehen. Das hat verschiedene Gründe. Erstmal darf einem ja praktisch kaum jemand helfen, weshalb man größtenteils auf sich allein gestellt ist. Außerdem haben die Baumärkte und Co zu, so dass Dinge, die spontan benötigt werden, nie kurzfristig zu beschaffen sind. Und so weiter. Wir sind dankbar, dass das Umzugsunternehmen uns die großen Brocken so super abgenommen hat, aber der ganze Kleinkram, der auch jetzt noch in der alten Wohnung liegt, muss trotzdem selbst bewältigt werden. Und. Das. Dauert. Einfach. So. Lang. Da würde man sich eine schöne große Gruppe von Freunden wünschen, die einfach mal ein paar Stunden kräftig mit anpacken. Immerhin, der eine Helfer, der da war, war ein Gottesgeschenk. Diddy, ohne dich wären wir verloren gewesen mit unserem Sperrmüll.

Alles ist extra-anstrengend

Und dann, tja, dann ist da auch noch diese Corona-Antriebslosigkeit, die alles extra-anstrengend macht. Das ist einerseits eine psychische Sache, aber auch eine ganz greifbare körperliche Frage: Im Homeoffice fällt einem gar nicht so auf, wie sehr die Kondition unter der Pandemie schon gelitten hat. Aber wenn man dann plötzlich zehnmal hintereinander in den dritten Stock steigen soll, kann man sich nichts mehr vormachen. Du und ich, wir sind einfach gerade nicht im Power-Mode.

Die Mülltonnen sind extravoll

Wer umzieht, produziert massig Müll, das ist normal. Was in Corona extrem ist, ist, dass man sehr viel für den Umzug online bestellt – und alles immer in Pappkartons geliefert wird. Die Papiercontainer sind ohnehin schon extra voll aufgrund des Pandemie-bedingten Online-Shoppings. Wenn dann auch noch ein Umzug dazu kommt, weiß man schnell nicht mehr, wohin mit dem ganzen Kram. Müllentsorgung klingt in Normalzeiten nicht wie ein drängendes Problem, kann einen aber in der Umzugsphase sehr quälen und stressen. Die Lösung: Eine Mülldeponie. Dort aber unbedingt checken, ob die Öffnungszeiten aktuell eingeschränkt sind.

Baumarkt-Shopping in der Pandemie

Call&Collect oder Click&Collect sind derzeit in aller Munde. Wer noch nichts davon gehört hat: Man ruft in einem Laden an und bestellt Artikel oder erledigt das online und kann sie etwas später abholen. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht im aktuellen Lockdown. Vor allem der Globus (in Hofheim) überzeugt uns mit seinem super Service. Meist ist die Bestellung schon wenige Stunden später abholbereit, bezahlt wird draußen, mit Mundschutz und kontaktlos.

Nimm einen Schirm mit zum Abholen

Unseren großen Badspiegel und den dazu passenden Teppich habe ich bei Mömax bestellt, die Abholung dort hat ebenfalls sehr gut geklappt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass wir einen Schirm eingepackt hätten. Denn natürlich kommen auch andere Kunden auf die Idee, den Service in Anspruch zu nehmen, entsprechend lang ist die Open-Air-Warteschlange vor der Ausgabe. Und in den vergangenen Tagen hat es hier dauergeregnet. Wer einmal 30 Minuten im strömenden Regen angestanden hat, weiß, was das bedeutet.

Foto: HugoWaite / Pixabay

Manche Dinge müssen leider warten

Wer umzieht, hat oft wunderbare Pläne für die neue Wohnung. Ich liebe Wände in Kontrastfarben, ich finde, eine Wand in hellgrau, beige oder blassrosa gibt einer Wohnung erst Gemütlichkeit. Doch während wir alles andere, auch Möbel, derzeit online bestellen, werden wir bei der Wandfarbe noch warten. So eine Wahl will gut überlegt sein, da braucht man Farbkarten verschiedenster Hersteller, um sie daheim an die Wand zu halten und in Ruhe zu überlegen. Aber das läuft einem ja auch nicht weg. Ohnehin …

Es muss nicht alles sofort sein.

Und in Corona schon mal gar nicht.

Wenn Ihr in den nächsten Wochen umzieht, seid nachsichtig mit Euch selbst. Ein Umzug ist eine extreme Situation – und umziehen in Corona ist etwas, von dem Ihr noch Euren Enkeln erzählen könnt. Ich zumindest plane, bis ans Ende meiner Tage die gute alte Geschichte zu erzählen, wie schwierig damals mitten in der Pandemie alles war. :) So oder so ist es eine Erfahrung fürs Leben, an der man mit Sicherheit wachsen wird. Und immerhin kann man im Homeoffice die Kaffeepause dafür nutzen, mal kurz eine Kiste auszuräumen. Hat also auch ein paar kleine Vorteile. Haltet durch, lasst den Kopf nicht hängen und plant, wo es geht, im Voraus, dann wird es schon klappen. Alles Gute für den Umzug!

14 Kommentare

  1. Zunächst bin ich froh und erleichtert, daß es geklappt hat und wünsche alles Gute. Der Dackel macht ja einen zufriedenen Eindruck.( Bis ich weiterlesen kann, muß ich warten, bis es sich zeigt.)

  2. Freut mich, dass ihr es gut hinter euch gebracht habt! Wir haben es leider noch vor uns, heul… ich will einfach nur noch, dass es vorbei ist. Wir haben uns auch erstmals für ein Umzugsunternehmen entschieden. Freunde und Familie einspannen während Corona geht halt einfach gar nicht. Lebt euch gut ein! Wir dann Anfang April hoffentlich auch :-D Und irgendwann lachen wir bei einem Bier über die komische gemeinsame Umzugserfahrung in Pandemie-Zeiten.

  3. Sehr informativer Artikel der sicher vielen hilft! Gut, wenn der Umzug innerhalb des eigenen Landes stattfindet. In Corona Zeiten ist z.B. ein Umzug nach Zug oder Wien eine ganz andere Sache und um einiges komplizierter. Einen guten Start in der neuen Umgebung!

    1. Danke sehr. Ja, definitiv. Richtig kompliziert wird es, wenn Grenzen geschlossen werden. Ich hoffe mal, man bekäme dafür dann eine Ausnahmegenehmigung. 😳 Viele Grüße!

  4. Unsere Nachbarn sind ebenfalls mitten in der Pandemie umgezogen und berichteten uns, dass aus den für den Umzug vorgesehenen zwei Tagen fast eine Woche wurde. Umso glücklicher bin ich, dass unser Umzug erst in einigen Wochen stattfindet. Daher suchen wir schon mal nach einer Umzugsfirma, welche für uns die größte Bürde, nämlich den Möbeltransport, übernimmt.

  5. Dass der Umzug während der Hochphase der Pandemie besonders lange dauern würde, hatten wir vor knapp einem Jahr schon im Gefühl. Um uns Stress zu ersparen, verschoben wir daher den Umzug, welchen wir nun endlich in Angriff nehmen möchten. Unterstützung würden wir sowohl von Freunden, als auch von Umzugsexperten gerne annehmen.

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