Aktuell bin ich öfter mal beruflich unterwegs. Meist nur eine Nacht, aber natürlich stellt sich auch da die Frage, was man mitnimmt. In letzter Zeit hat mich ein minimalistischer Ehrgeiz gepackt: Ich möchte ausprobieren, mit wie wenig Gepäck ich bei solchen Gelegenheiten auskomme. Deshalb bin ich gerade nur mit einem kleinen Tagesrucksack in München, in dem ich neben Schlafsachen, Wechselkleidung, Pflegeartikeln und Medikamenten auch noch Laptop, Aufladekabel und Maus untergebracht habe. Und in dem noch Platz wäre. Ein schönes Gefühl.
Mit dem minimalistischen Reisen habe ich Erfahrung, seit ich vor ein paar Jahren mal mit Rucksack durch England getourt bin. Und auch Schottland und Kroatien habe ich schon mit wenig Gepäck bereist, einem kleinen Handgepäcksköfferchen, das ja nicht mehr als zehn Kilo wiegen und bestimmte kleine Maße haben darf. Für zwei Wochen überlegt man bei wenig Gepäck natürlich genau, was mitgetragen werden soll. Mikrofaserhandtuch, Kleidung, die dünn und klein zusammenzufalten ist und die wärmer wird, wenn man mehrere Schichten kombiniert, leichte Wechselschuhe, superfaltbare Hüte, Dinge, die man unterwegs waschen kann und die schnell trocknen – klein, leicht und mobil, das ist die Devise. Das hat auch etwas von Quiet Luxury, denn Kleidung aus guten Materialien sind einfach eine Freude. Und funktionieren im Alltag ebenso wie dann, wenn man mal mehr Platz im Koffer hat.
Nun, für München, habe ich mich von vielem, was ich früher in meinem Leben als unverzichtbar gelernt habe, auch noch verabschiedet. Zum Beispiel von Wechselschuhen, falls die, die ich trage, nass werden. Ein komisches Gefühl, denn so ein bisschen Sicherheit geben Wechselschuhe ja auch. Siehe da, die, die ich trage, sind tatsächlich auch nass geworden – aber weil sie aus schnell trocknendem Material gemacht sind, ist das überhaupt nicht schlimm.
Mit so wenig war ich noch nie unterwegs – und es ist ein herrlich freies Gefühl, so leicht zu reisen. Dazu auch noch mit dem Zug, das heißt, es gibt auch kein Auto, in dem ich noch zwei dicke Jacken und ein paar Wechselschuhe liegen hätte. Ich bin einfach mit dem unterwegs, was ich bei mir trage, und damit zufrieden. Das bedeutet, ich habe wenig zu tragen, wenig zu packen und wenig zu entscheiden, denn ich habe keine Auswahl, sondern ziehe das wenige an, das da ist, notfalls in mehreren Schichten übereinander. Eine Capsule Wardrobe für unterwegs. Und wenn eine große Katastrophe oder eine extreme Planänderung eintreten würde, müsste ich eben zukaufen, das wäre auch okay. So bin ich auf Reisen schon zu vielen schönen Teilen gekommen, die mir anschließend lange erhalten geblieben sind.
Vielleicht ist mein wiederentdeckter Ehrgeiz, extraleicht zu reisen, eine Reaktion darauf, dass ich seit einigen Monaten in einer Fernbeziehung lebe und mich da ungern beschränke – weshalb ich meist einen Wäschekorb hin und her fahre, um nicht darüber nachdenken zu müssen, was in den Koffer passt und was nicht. Aber das ist natürlich Schlepperei. Vielleicht werde ich dafür auch mal leichter packen und schauen, was das mit mir macht. Meine Erfahrung bisher:
Es macht mich leichter.
Bewusster. Ich bin mehr am Ort und wage mich mehr in die Welt.
Bin zuversichtlicher, dass alles schon irgendwie werden wird, auch wenn mal etwas nicht nach Plan läuft.
Ich muss nicht zehn Schritte im Voraus planen und ich muss nicht zwingend ein Backup haben, vieles lässt sich improvisieren. Vieles lässt sich finden, fragen, überbrücken.
Ich muss nicht mit dem Schlechten rechnen. Ich darf hoffen, dass ich klar komme und mich auf meine Erfahrung verlassen kann.
Wie schön.
Versucht Ihr auch, bewusst mit wenig Gepäck zu reisen? Was macht das mit Euch?





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