Buchschreiben: Viele erste Male

Societäts Verlag

Momentan ist mein Leben so verrückt. Als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte, eine Bremse gelockert – und plötzlich kullern mir die Früchte von endlosen und frustrierenden Jahren harter Arbeit direkt vor die Füße. Alles kommt auf einmal, alles ist überwältigend. Jeden Tag passiert gerade etwas neues Großartiges, das allein für sich schon gut genug wäre, um ein ganzes Jahr außergewöhnlich zu machen.

So wie der Vorbestellungsstartschuss für mein Buch auf Amazon vor drei Tagen. Oder die Tatsache, dass ich gestern entdeckt habe, dass ich mit meinem Buch ziemlich prominent auf der Startseite des Societäts Verlags präsentiert werde – mein Buch und ich sind das zweite Bild in der Slideshow. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sich das anfühlt. Schön und schaurig zugleich, so als ob man versuchen würde, ein Stück Käse durch ein kleines Loch in der Wand zu quetschen. Ein komischer Vergleich, das ist mir bewusst, aber irgendwie fühlt sich genau diese Beschreibung richtig an.

Das verwirrt mich ein bisschen, denn bisher mochte ich meine Highlights wohldosiert: Alle ein, zwei Jahre ein Erfolg bei Literaturwettbewerben, eine Lesung, eine Veröffentlichung, die ich in mein virtuelles Bücherregal stellen konnte. Ich hatte eine niedrige Begeisterungsgrenze, denn alles war groß für mich.

Jetzt sitze ich hier, betrachte das, was gerade geschieht, fasziniert – und bin auch ein bisschen ängstlich dabei. Denn ich frage mich, wie das werden soll, wenn all diese wunderschönen ersten Male vorbei sind und ich mich erst einmal an den ganzen Trubel gewöhnt habe. Werde ich noch außer mir sein vor Freude, etwas in einer Anthologie zu veröffentlichen? Werde ich noch aufgeregt sein, einem kleinen Publikum auf einer offenen Bühne etwas vorzulesen? Und wird mein zweites Buch, das hoffentlich gar nicht lange auf sich warten lassen wird, noch eine genau so lebensverändernde Erfahrung sein? Natürlich nicht. Muss es das denn? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es gut, dass wir uns an Dinge gewöhnen und nicht immer so unerfahren und mit ganzem Herzen dabei sind wie beim allerersten Mal.

Was ich weiß, ist, dass ich mich erst einmal daran gewöhnen muss. Ich habe so ein bisschen den Verdacht, dass ich es tatsächlich auch genießen werde, wenn ich nicht mehr permanent so aufgewühlt bin. ;) Crazy.

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