#lifestyle: Entrümpeln mit KonMari

Ich sitze auf dem Boden meines Arbeitszimmers und betrachte verwirrt die Stapel von Büchern, Unterlagen, Fotos, Bildern und Deko, die um mich herum verstreut so ziemlich jede Fläche des Raumes bedecken. Die Tür geht auch nicht mehr auf, weil ich in kürzester Zeit sechs große Müllbeutel mit überflüssigem Mist gefüllt habe, die nun den Ausgang blockieren.

Was war passiert?

Eigentlich hatte ich mir für heute doch nur vorgenommen, die alten Tagebücher auf dem obersten Regalbrett durchzusehen und abzustauben. Vielleicht ein, zwei Dinge auszusortieren.

Doch dann kam KonMari. Hat mich mitgerissen. Stunden wie Minuten vergehen lassen. Und jetzt ist nichts ist mehr, wie es war.

Doch von Anfang an.

KonMari ist eine von Minimalismus-Expertin Marie Kondo erfundene Aufräum-Methode, über die gerade gefühlt die ganze Welt spricht. Denn spätestens, seit Netflix pünktlich zum 1. Januar eine Serie über Kondo und ihre zuvor bereits als Buch erschienenen Zaubertricks gelauncht hat, wollen alle das geniale Konzept an der eigenen Unordnung ausprobieren.

Ich auch. Denn ich bin zwar kein Messie, aber ich gebe zu, dass ich in meinen Schränken Sachen horte, die ich schon lang vergessen habe. Und dass ich vieles aufhebe, einfach … weil. Weil ich es irgendwann vielleicht doch noch brauchen werde. Weil ich daran hänge. Weil ich generell viel zu emotional mit seinen Sachen umgehe, obwohl ich weiß, dass das nicht gut für mich ist. Aber was soll ich machen. Marie Kondo kennt das Problem – und sie weiß Rat.

Dabei tut sie eigentlich gar nichts Revolutionäres.

In ihrer Serie klingelt die winzige, hellwache, superhöfliche und quietschsaubere Marie an der Haustür verschiedener Familien, die mit chronischer Unordnung kämpfen. Sie kniet nieder und begrüßt das Haus. Ja, richtig gelesen. An dieser Stelle sind wahrscheinlich viele, die weniger spirituell begeistert sind, schon raus, aber ich finde sowas ja spannend. Und es ist fester Teil ihres Konzeptes, denn Kondo geht davon aus, dass alle Dinge eine Seele besitzen. Und dazu gehört natürlich auch das Haus selbst.

Nachdem es also begrüßt wurde, geht es richtig los. Kondo motiviert die Bewohner, die Gegenstände ihrer Wohnung nach fünf Kategorien zu unterteilen und alle Dinge aus einer Kategorie auf einen Haufen zu werfen. Spätestens angesichts des Klamottenstapels gibt es die ersten schmerzhaften Einsichten: „Mein Gott, warum besitze ich so viel?“

Sanft, wie sie sowieso alles tut, und mit Unterstützung ihrer Dolmetscherin leitet Marie Kondo die Menschen an, jeden Gegenstand in die Hand zu nehmen und in sich hinein zu horchen. Entfachen die Fake-Fur-Jacke, das zwölfte Paar Sneaker, der Sparschäler und das Übungsheft für den Führerschein von 2002 Freude in unseren Herzen? Wenn ja, dürfen wir sie behalten. Wenn nicht, und jetzt kommt der eigentliche Zauber, bedanken wir uns – und lassen den Gegenstand los.

Dem Moment des Bedankens kommt in der Serie gar keine besonders große Beachtung zu. Dabei ist das für mich die eine Sache, die alles verändert. Denn plötzlich tut es mir nicht mehr leid um das, was ich wegwerfe. Ich verabschiede mich voller Respekt und bedanke mich bei dem Gegenstand, aber ich brauche ihn nicht zu behalten und weiter mitzutragen. Denn die Freude, die er mir gebracht hat, bleibt.

Und so verbringe ich mein Wochenende glücklich damit, endlich alle Jugenderinnerungen durchzugehen und mich vom meisten zu verabschieden.

Es ist verrückt: Ich kann nach nur einer Stunde ein ganzes Regal abbauen und die Bretter in den Keller bringen, weil ich auf einmal viel weniger Stauraum brauche. Ich muss mich von keiner einzigen Sache trennen, die mir etwas bedeutet. Und doch leeren sich die Regalbretter, Kleiderstangen und Schubladen in einer Geschwindigkeit, von der mir schwindelig wird.

Plötzlich ist Platz für all die Dinge, die ich gerne mag. Ohne dass ich das Gefühl habe, überhaupt etwas weggeworfen zu haben.

Marie Kondo müsste eigentlich Magic Kondo heißen.

Netflix verspricht im Pressetext zu der achtteiligen Serie, dass das Entrümpeln nach KonMari auch im Leben bewegende und überraschende Veränderungen einleiten wird. Das kann ich nur bestätigen. Wer einmal anfängt, wird sich nach und nach jede Ecke in der Wohnung vornehmen, einfach, weil es in unserem auf wenige Quadratmeter komprimierten Lifestyle so wunderbar ist, plötzlich wieder Platz zu haben.

So sensibilisiert betrachtet man dann auch den Rest des Lebens und erkennt den sinnlosen Krempel, der alles verstopft. Noch deutlicher aber sieht man, was man behalten möchte – und warum.

Foto: © Africa Studio / stock.adobe.com
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