@work: 5 Tipps, um von Kollegen nicht länger übersehen zu werden

Foto: Brooke Lark on Unsplash

Hand aufs Herz: Wer wird im Berufsleben auch manchmal unterschätzt? Überhört? Missverstanden? Oder von männlichen Kollegen in den Schatten gestellt? Mir passiert das mit Regelmäßigkeit – und dann ärgere ich mich. Über die Anderen, über mich selbst, über mein eigenes Unvermögen, mich konsequent zu präsentieren. Als ich online das Seminar „Kommunikationstraining für Frauen: Klartext reden – selbstsicher auftreten“ der Haufe-Akademie entdeckte, war ich deshalb sofort neugierig. In dem zweitägigen Seminar sollte es darum gehen, sich endlich nicht mehr selbst kleinzumachen, Stimme und Körpersprache richtig einzusetzen, sich bei Angriffen zu wehren, Grenzen zu ziehen und sich gegen dominante männliche Gesprächspartner zu behaupten. Also eine Art Selbstverteidigungsseminar für den Berufsalltag. :)

Zugegeben, mit knapp 1800 Euro war das Seminar alles andere als günstig. Doch weil mein Weiterbildungsbudget noch unangetastet in der Schublade schlummerte und ich spontan davon überzeugt war, von den Inhalten profitieren zu können, entschied ich mich für die Buchung.

Die letzten beiden Tage habe ich also in Köln verbracht und so viel Spannendes gelernt, dass ich kaum erwarten kann, es anzuwenden. Die Gruppe bestand aus sieben Frauen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen angemeldet hatten und die alle lernen wollten, wie sie sich in einem extrem männlich dominierten Umfeld durchsetzen. Nicht alle waren wie ich freiwillig da, einige wurden auch von ihren Chefs dazu überredet. In den Pausengesprächen mit meinen Mitstreiterinnen ist mir eins ganz schnell klar geworden:

Wenn eine Kollegin mit einem Kollegen aneinandergerät, wird meist die Frau zum Kommunikationstraining geschickt.

Und zwar auch dann, wenn alle wissen, dass das Problem nicht auf ihrer Seite liegt. Viele männliche Kollegen gelten nach Jahrzehnten im Unternehmen eben als „schwierig“. Und weil sie so unangenehm sind – Gott, wie viele Gesichter ich gerade vor Augen habe, aus jedem Unternehmen, in dem ich je gearbeitet habe – kommen sie mit ihrem Verhalten durch. Das ist eine erfolgreiche Strategie, auch in der Tier- und Pflanzenwelt hält man sich so Feinde vom Leib. Im Büro klingt das dann so: „Der ändert sich nicht mehr.“ Oder: „Der wird sicher nie mein bester Freund, aber er ist ein Experte auf seinem Fachgebiet, das muss man respektieren.“ Man lässt sie lieber gewähren, als sich mit ihnen anzulegen. Männliche Chefs wollen ihre männlichen Untergebenen nicht verärgern, indem sie ihre Kommunikationskompetenz anzweifeln. Das würde einem Gesichtsverlust gleichkommen.

Aber wir (jungen) Frauen sind nicht beleidigt, wenn der Chef zu uns kommt und uns ein tolles Seminar vorschlägt. Wir freuen uns, dass wir etwas dazulernen dürfen. Wir sind vor allem interessiert daran, dass wir mit unserem Umfeld irgendwie zurechtkommen, dass der Laden läuft, wir akzeptiert werden und keine Scherereien haben. Unterm Strich funktioniert die Kommunikation anschließend vielleicht wirklich besser – doch der schwierige Kollege ist wiedermal ungeschoren davongekommen.

Gott, das ärgert mich.

Die größte Erkenntnis für mich war, dass dieser Ärger allerdings überhaupt nichts bringt. Dass Männer damit durchkommen ist eine Realität, die jeden Tag in hunderttausenden von Büros überall auf der Welt stattfindet. Bisher dachte ich immer, wir müssten daran arbeiten, die Businesswelt umzukrempeln und ihr weibliche Strukturen einzuprägen, damit wir endlich auch gesehen und gehört werden. Das geht vor allem, indem die Führungsetagen weiblich/er werden, klar. Doch das dauert viel zu lange. Bis die Geschäftswelt wirklich weiblich wird, gehe ich vielleicht schon in Rente. Deshalb brauche ich eine kurzfristige Lösung, die ich sofort anwenden kann. Und die lautet:

Akzeptiere, dass die Geschäftswelt aktuell männlich ist. Lerne die Regeln, verstehe das territoriale Gerangel der Männer und nutze dieses Wissen, um dich mittendrin zu platzieren.

Dazu passt, dass das Seminar von einem Mann gehalten wurde. Erst waren wir alle etwas irritiert, doch wenn man genauer drüber nachdenkt, macht es viel Sinn. Denn Referent Clemens Hafner, Managementtrainer und jahrzehntelang im Konzernmanagement verschiedener Unternehmen tätig, fungiert als eine Art Übersetzer zwischen der weiblichen Sicht und der männlichen Wahrnehmung. Das gleiche Seminar gibt es auch mit weiblichen Referentinnen, doch ich bin froh, dass ich ausgerechnet bei Herrn Hafner gelandet bin, denn er sagte uns klar und deutlich, wie wir aus männlicher Sicht wirken und was wir besser machen können.

Ich habe unendlich viel gelernt. Mein hauptsächliches Ziel war es, zu erfahren, wie ich mich kraftvoller und selbstbewusster präsentieren kann. Die Tipps, die ich dazu bekommen habe, möchte ich hier an Euch weitergeben. So werdet Ihr in der Geschäftswelt nicht länger übersehen:

1. Mach dich groß – durch Körpersprache!

Dabei geht es nicht nur darum, sich gerade hinzusetzen oder einen festen Stand zu haben. Sondern auch, beim Reden Raum einzunehmen, zum Beispiel durch Gesten. Wenn ich privat spreche, gestikuliere ich recht viel, im Berufsleben allerdings so gut wie gar nicht. Das möchte ich künftig verstärkt einsetzen.

Foto: Hulki Okan Tabak on Unsplash

2. Sag, was du willst – und zwar ohne Konjunktiv

„Ich würde gern…“ „Könnte ich…?“ „Dürfte ich kurz…?“ So höflich drücken wir Frauen uns aus, um im Umgang mit Kollegen niemandem auf den Schlips (haha) zu treten. Doch das wirkt zögerlich, ängstlich, wenig überzeugt und kaum überzeugend. Kein Wunder, dass männliche Kollegen uns übergehen und uns die Beute (das Projekt, den Termin, die Aufgabe) vor der Nase wegschnappen. Wenn du etwas willst, dann sag das auch. Und zwar deutlich: „Ich möchte…“ „Ich kann…“ oder „Ich werde…“ Das ist verbindlich, schafft Vertrauen – und macht den Männern klar: Die Kollegin weiß, was sie will.

3. Streiche die reduzierenden Füllwörter

„Ich denke, ich weiß, wovon ich spreche.“ „Aber Chef, ich habe meine Aufgaben doch immer ganz gut erledigt!“ „Ich werde das bestimmt schaffen.“ „Irgendwie kriegen wir das schon hin.“ Wir Frauen neigen dazu, uns aus Höflichkeit kleiner zu reden. Dazu nutzen wir reduzierende, dämpfende Füllwörter. Warum tun wir das? Wir haben gelernt, dass es sich für Mädchen nicht gehört, anzugeben, dass die Gesellschaft Großmäuler nicht schätzt und wir bitte immer hübsch bescheiden sein sollen. Doch in der Geschäftswelt ist kein Platz für sinnlose Bescheidenheit. Im Privatleben übrigens auch nicht. Wer eine Aufgabe gut erledigt, wer tolle Arbeit leistet und überzeugende Ergebnisse einfährt, darf das auch sagen.

4. Rechtfertige dich nicht

Etwas ist schiefgegangen? Passiert. Wer jetzt stottert: „Ich wollte doch nur…“, hat schon verloren, findet der Referent. Sein Tipp: „Nicht rechtfertigen, nicht erklären, nicht entschuldigen.“ Wir Frauen neigen dazu, Hintergründe zu erläutern, damit andere unsere Beweggründe verstehen. Doch das kommt nie neutral rüber. Auf das Gegenüber wirken diese Erklärungen viel eher so, als ob wir unser Ziel nicht klar im Blick gehabt und es deshalb nicht erreicht hätten. Und jetzt Sympathie dafür abholen wollten. Wer sich in eine Rechtfertigungshaltung begibt, lässt sich in die Ecke drängen und entschuldigt sich für Dinge, die er/sie überhaupt nicht zu verantworten hat. Stattdessen Situationen einfach mal so stehen lassen. Das fällt sicher nicht leicht, doch hier kann man von männlichen Kollegen lernen. Die ziehen sich ja auch nicht jeden Schuh an, oder? Habe ich oft genug erlebt.

Foto: Scott Umstattd on Unsplash

5. Nenne nicht die Nachteile, wenn du von den Vorteilen überzeugen willst

Wir Frauen neigen dazu, unserem Gegenüber ein umfassendes Bild vermitteln zu wollen. Indem wir ungefragt Hintergründe erklären wie bei Punkt 4. Oder, indem wir erst Argumente für unser Ziel liefern – und diese dann durch Gegenargumente selbst entkräften. Ja, das gibt’s. Es klingt so unsinnig, dass es fast lustig ist, doch ich weiß, dass ich das auch schon oft getan habe. Und zwar, weil ich keine Informationen vorenthalten wollte. „Am Ende sagt noch jemand, ich hätte ihm die Nachteile verschwiegen“, formulierte es eine meiner Kurskolleginnen. „Na und?“, entgegnete der Referent. „Die sind alle schon groß – und wer sich keine eigenen Gedanken zu den Nachteilen einer Sache macht, der ist selbst schuld.“ Jo.

Diese fünf Tipps können schnell umgesetzt werden, viele falschen Verhaltensweisen können wir praktisch sofort abstellen. Ich bin sehr gespannt, damit in einem Arbeitsumfeld zu experimentieren. Der Referent hatte noch weitere Tipps, doch ich möchte hier nicht vorgreifen für den Fall, dass Ihr Euch selbst für dieses Seminar anmelden wollt. :) Ich jedenfalls kann es nur empfehlen, ich fand es toll. Und auch die Haufe-Akademie als solche hat einen guten Eindruck auf mich gemacht, von der Organisation über die Begleitung beim Seminar bishin zum sofortigen Zur-Verfügung-Stellen der Präsentationen in der persönlichen Lernumgebung auf der Webseite. Dort werde ich bestimmt mal wieder ein Seminar buchen. Daumen hoch!

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