@work: Mein neuer Job

In der neuen Altstadt und rund um den Dom bin ich nun jeden Tag unterwegs. Foto: privat

Ihr Lieben, viele von Euch haben im Mai mit mir mitgefiebert, als ich einen Job bei einer Frankfurter Kommunikationsagentur angefangen und nach zwei Wochen wieder gekündigt habe. Das war natürlich ein großes Risiko, denn Redakteursjobs sind ziemlich rar – und dann ist da ja auch noch Corona. Entsprechend anstrengend war die Suche ja dann auch.

Aber dann hat es doch recht schnell geklappt, und zwar mit einem Job, auf den ich mich schon im März beworben hatte. Das Bistum Limburg suchte damals eine Redakteurin, die sich zur Hälfte ums Haus am Dom, zur anderen Hälfte um die katholischen Gemeinden in Frankfurt (alle zusammengefasst unter dem Begriff Stadtkirche) kümmert. Ich kenne das wunderschöne, moderne Haus am Dom als Kulturstätte schon lange und weiß auch halbwegs, wie Gemeindearbeit funktioniert. Außerdem sprechen mich ja diese ernsten gesellschaftlichspolitischen Themen an, um die es im Kontext Kirche geht. Deshalb bewarb ich mich im März direkt auf die Stelle.

Und hörte erstmal … nichts.

Wegen Corona hatte das Bistum, genau wie die meisten anderen Arbeitgeber, erst einmal damit zu kämpfen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Weil ich keine Antwort bekam, hakte ich die Stelle schweren Herzens ab und unterschrieb bei der Kommunikationsagentur. Wenige Tage, bevor ich dort im Mai anfing, bekam ich einen Anruf aus Limburg und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Was für ein schlechtes Timing. Ich freute mich sehr über die Einladung, musste sie aber ablehnen, weil ich mich ja schon anderweitig gebunden hatte. Der nette Herr am Telefon verstand das, wünschte alles Gute – und wir verabschiedeten uns freundlich.

Dann kamen diese zwei Wochen. Und ich stellte plötzlich alles infrage. Lange war ich der Meinung gewesen, ich könnte in der Werbung arbeiten, für Vorstandsbosse schreiben und meinen Platz da schon irgendwie finden, Hauptsache, ich könnte damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Immerhin hatte ich sowas ähnliches in den vergangenen eineinhalb Jahren ja bereits beim wdv für die AOK und verschiedene Berufsgenossenschaften gemacht. Aber dann dauerte es nur wenige Tage, bis diese Leere mich fertig machte. Und mir klar wurde: Eine Krankenversicherung, eine Berufsgenossenschaft, die Rentenversicherung – das sind alles wichtige Einrichtungen mit einem ernsthaften Hintergrund, mit Regeln und dem ehrlichen Anspruch, Menschen abzusichern. Ein Industriekonzern ist das für mich nicht. Auch wenn ich weiß, dass die Industrie zum Teil sehr wichtige Dinge produziert und viele Arbeitsplätze und Schicksale daran hängen. Aber die Leere, die ich in diesen zwei Wochen gespürt habe, war nicht auszuhalten. Dafür wollte, dafür konnte ich mein Schreiben nicht einsetzen. Also habe ich gekündigt und ja auch hier darüber geschrieben. Die vielen Kommentare, Mails und Handynachrichten, die ich daraufhin von Euch bekommen habe, waren großartig und haben mich durch diese schwere Zeit getragen.

Da war ich Mitte Mai nun wieder: auf Jobsuche. Gerade hatte ich mich von allen Stepstone-Newslettern abgemeldet und mich erleichtert zurückgelehnt, plötzlich musste ich mich überall wieder anmelden. Aber bevor ich das alles tat, schrieb ich eine Mail nach Limburg. Ich schilderte, dass ich die Einladung zum Gespräch im April ausschlagen musste, weil ich bereits anderweitig unterschrieben hatte, diesen Job aber nun auf eigenen Wunsch wieder verlassen hatte. Ich schrieb, dass ich immer noch großes Interesse habe. Und dass ich natürlich ahnte, dass der Job längst vergeben war – aber ich es trotzdem einfach nochmal probieren wollte. Ich klickte auf Senden.

Und hörte erstmal … nichts.

Drei Wochen waren es, wenn ich mich heute richtig erinnere. Dann bekam ich plötzlich eine Mail, dass ich wieder im Rennen und eingeladen sei, eine Arbeitsprobe abzuliefern. Ich sollte einen Artikel über eine Veranstaltung im Haus am Dom schreiben, die wegen des Lockdowns rein digital übertragen worden war. Thema: „Demokratie und Corona“ – und welche Chancen die Pandemie für die Gesellschaft bringt. Das tat ich. Und nach einem Vorstellungsgespräch, bei dem ich am Ende selbst nicht wusste, ob es gut oder schlecht gelaufen war, bekam ich am nächsten Tag eine Zusage.

Der Ausblick aus meinem Büro im Haus am Dom. Foto: privat

Mittlerweile habe ich meine ersten vier Tage als Redakteurin im Haus am Dom hinter mir. Es waren anstrengende, wundervolle, verwirrende, lange vier Tage. Aber ich habe das Gefühl, dass ich dort irgendwie richtig bin. Denn nun kann ich über das schreiben, was mir auch persönlich wichtig ist. So habe ich zum Beispiel am Freitag fast den ganzen Tag die Frauenproteste am Rande des Regionalforums zum Synodalen Weg begleitet, für die sich auch der HR, die Zeit und andere Medien interessiert haben. Was ich daraus gebastelt habe, seht Ihr hier. Dabei habe ich tolle, kämpferische, selbstbewusste Frauen getroffen, viele Gespräche geführt – und mich endlich wieder daran erinnert, was mir an meinem Beruf so viel Spaß macht.

Im Rückblick bin ich froh, dass ich im Mai den Mut hatte, mich von einem Job, der sich nicht richtig angefühlt hat, zu befreien. Denn nur deshalb konnte das mit dem Bistum überhaupt zustande kommen. Deshalb habe ich mir für mein schönes großes Büro, von dessen Fenster ich direkt auf den Dom schaue, gestern ein Spruchbild gekauft:

Follow your dreams. They know the way.

To be continued. :)

Foto: Lukas D. on Unsplash

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