Über meine ersten 100 Tage im neuen Job und mobiles Arbeiten

Ganz so cool sieht mobiles Arbeiten bei mir leider nicht aus. Aber es könnte so aussehen, wenn ich rote Haare und einen tätowierten Oberarm hätte und im Café arbeiten würde. *g* Foto: Brooke Cagle / unsplash.com

Ich bin nun seit fast 100 Tagen im neuen Job. Am Dienstag ist es drei Monate her, dass ich, ein nervöses und verwirrtes Etwas, morgens im Wohnzimmer des Stadtdekans zum Begrüßungskaffee empfangen wurde.

Kein Wunder, dass ich aufgeregt war. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nämlich so ziemlich gar nichts über diese neue Stelle, die ich da gerade antrat. Bisher hatte ich ja immer nur als Zeitungsredakteurin gearbeitet, ich war sehr erfahren darin, Textkästen aufzuziehen und Deadlines einzuhalten. Nun sollte ich also als Redakteurin für die Katholische Stadtkirche und fürs Haus am Dom schreiben. Doch was bedeutete das? Keine Ahnung. Ich verließ mich darauf, dass ich das schon rausfinden würde. Und genau so war es auch. Mit der Hilfe meiner sehr netten Kolleginnen und Kollegen, die mich alle dummen und nicht so dummen Fragen stellen ließen, bekam ich recht schnell eine Vorstellung davon, was meine Aufgaben sind. Und ging sofort an die Arbeit.

Was wesentlich ist für mich

Drei Monate, zwölf Wochen, 100 Tage und viele Überstunden später bin ich gut angekommen in meiner neuen Rolle. Ich weiß, was zu tun ist, ich habe mit fast allen wichtigen Akteuren in der Stadtkirche schon mal Kaffee getrunken, ich kann grob abschätzen, was wichtig ist und was warten kann. Ich fühle mich wohl in meinem Job – etwas, von dem ich spätestens seit Mai weiß, dass das für mich noch wesentlicher ist als ein Parkplatz für mein Auto oder eine gute Bezahlung.

Das Haus am Dom, in dem mein Arbeitsplatz sich befindet, liegt ja mitten in der wunderschönen (neuen) Frankfurter Altstadt – eine Tatsache, die eigentlich ein ganz großes Plus ist. Doch zu Beginn der zweiten Corona-Welle wurde auch schnell klar, dass dafür auch die Regeln strenger sind als in der Kleinstadt. In der Altstadt, rund um den Römer, überall, wo ich unterwegs bin, herrscht auch draußen Maskenpflicht.

Lange kamen wir trotzdem alle ins Büro. Doch dann fing es langsam an, dass einige Kolleginnen und Kollegen nach und nach ins Homeoffice gingen, sei es, weil sie selbst zur Risikogruppe gehören oder mit jemandem zusammenleben, der zur Risikogruppe gehört.

Doch ich sträubte mich dagegen. Immerhin waren die Erfahrungen, die ich mit Homeoffice gesammelt habe, nicht die Besten. Zur Erinnerung: Im Mai habe ich einen neuen Job angefangen, bei dem ich nach nur einem Tag coronabedingt ins Homeoffice abwandern musste – und damals bin ich hier fast die Wände hochgegangen. Natürlich ist mir im Rückblick schon klar, dass das nicht nur am Homeoffice gelegen hat, sondern auch daran, dass ich im falschen Job war, der sich leer anfühlte – und noch dazu in der frischsten Einarbeitungsphase bis auf die endlosen Zoom-Meetings völlig isoliert daheim saß. Da half auch Radio Smooth Scotland nur bedingt, meine Zweifel zu übertönen. Kein Wunder, dass ich mich abgehängt und überfordert fühlte und den Job nach zwei Wochen schmiss. Damals übrigens eine Glanzleistung meines inneren Kompass, denn hätte ich das nicht gemacht, wäre ich nicht im Haus am Dom gelandet, in einem Job, der mich mit seinen vielen sozialen Aspekten inhaltlich erfüllt, der mich ernährt und mir eine Perspektive gibt. Danke, lieber innerer Kompass! <3

Auch diesmal wieder Bauchschmerzen

Doch obwohl ich weiß, dass es im Mai ein Mix aus allem war, hatte ich schon arge Bauchschmerzen bei der Vorstellung, in der zweiten Corona-Welle womöglich wieder ganz ins Homeoffice zu müssen. Ich konnte ja nicht einschätzen, wie viel meiner riesigen Unzufriedenheit im Mai tatsächlich mit dem Faktor Homeoffice zusammenhing. Würde es mir vielleicht auch im neuen Job so ergehen? Würde Corona mir das kaputt machen – und ich würde womöglich auch diesmal hinschmeißen, nur um Isolation und Depression im Homeoffice zu entkommen?

Nun, Ihr könnt es Euch vielleicht schon denken: Ich habe mir umsonst Sorgen gemacht (ein Anne-Klassiker). Erstmal wurden wir nicht zwangsweise ins HO geschickt (wie Björn, der seit Monaten, wenn er nicht grade beim Kunden ist, von daheim aus arbeiten muss). Vielmehr ist mein Homeoffice gerade ein fluider Zustand. Ich gehe meist zwei, drei Tage die Woche ins Büro, allein schon, um nach dem Rechten zu sehen, die Post zu holen und die Pflanzen zu gießen. Doch es gibt auch viele Dinge, die von daheim aus besser funktionieren. Wie Zoom-Meetings. Oder Videoschnitt. Glücklicherweise ist mein neuer Arbeitgeber technisch recht gut aufgestellt, so dass ich mich von überall einfach einwählen und losarbeiten kann. Das führt dazu, dass ich manchmal meine Tage auch splitte und von halb acht bis 12 daheim arbeite, dann zu einem Termin fahre und anschließend nochmal ein paar Stunden im Büro bin. Mein Bürotelefon ist jetzt dauerhaft aufs Diensthandy umgestellt, so dass kein Anruf ins Leere läuft. Da in der momentanen Zeit sowieso das meiste telefonisch oder digital läuft und persönliche Konferenzen einige wenige Ausnahmen bilden, ist es ohnehin egal, wo ich bin, Hauptsache, ich bin arbeitsfähig und erreichbar. Ich liebe diese Flexibilität und merke, dass ich unglaublich effektiv arbeite, wenn ich nicht in ein Korsett gepresst werde. Während ich im Mai doch oft die Minuten bis zum Feierabend gezählt habe, muss ich jetzt bewusst darauf achten, nicht immer weiter zu arbeiten und dies und das noch fertig zu machen. Klingt nach Klassenstreber? Ist aber wirklich so.

Dazu kommt, dass Björn ja wie gesagt auch im Homeoffice ist und wir unseren großen Esstisch im Wintergarten zur Bürozone erklärt haben. Hier sitzen wir, jeder auf einer Seite, und klappern vor uns hin. Manchmal schweigen wir lange, manchmal reden wir, manchmal machen wir zusammen Mittagspause.

Die Befürchtung aus dem Mai-Erlebnis, dass ich einfach nicht fürs Homeoffice geeignet bin, ist mittlerweile zerstreut, denn ich komme auch gut klar, wenn Björn mal beim Kunden ist und ich das Wintergarten-Office für mich alleine habe. Dann brauche ich nicht mal Radio Smooth Scotland, um mich abzulenken. ;)

Foto: Danielle MacInnes / unsplash.com

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