Glückssträhne vorbei? 6 harte Monate

Foto: Pineapple Supply Co. / unsplash.com

Auch wenn die Überschrift es zunächst nicht vermuten lässt, gibt es Grund zum Feiern: Seit Montag, 1. März, ist meine Probezeit vorbei. Ich bin nun offiziell unbefristet angestellt im öffentlichen Dienst. :) Es waren wundervolle, bunte, harte und arbeitsreiche sechs Monate, die schnell vergangen sind. Das liegt sicher auch daran, dass ich seit Anfang Dezember mehr oder weniger durchgehend im Homeoffice war und die Tage ineinander verlaufen sind. Ich hoffe so sehr, dass wir in der näheren Zukunft alle zurückkehren können ins Haus am Dom. Und dass der Rote Flur, auf dem die Medienschaffenden ihre Büros haben, dann wieder summt und brummt von Gesprächen und Lachen, geschäftigem Herumeilen, Zeitungsgeraschel und dem Rauschen der Kaffeemaschine, die den stärksten Kaffee produziert, den die Menschheit je getrunken hat.

Hier bin ich also, seit sechs Monaten in der Pressestelle von Haus am Dom und Katholischer Stadtkirche. In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März lag ich nachts wach und habe darüber nachgedacht, was das eigentlich für ein extremes halbes Jahr für mich war, seitdem ich am 1. September 2020 an meinem ersten Arbeitstag morgens beim Stadtdekan zum Kaffee empfangen wurde. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es kein Wunder ist, dass ich mich zutiefst erschöpft fühle. Da war ja nicht nur die Einarbeitung in einen ziemlich umfangreichen neuen Job unter Corona-Bedigungen. Nein, in diesen sechs vergangenen Monaten gab es noch eine ganze Reihe weiterer intensiver Erlebnisse, die mich so manches Mal glauben ließen, meine Glückssträhne sei vorbei. Hier möchte ich Euch von den sieben härtesten Erlebnissen der vergangenen sechs Monate erzählen.

Kapitaler Motorschaden

Zwei Wochen, bevor ich meinen neuen Job antrat, hatte mein Auto auf dem Weg nach Holland in glühender Sommerhitze einen kapitalen Motorschaden und starb mitten auf der Autobahn. Zu dieser Zeit war – nach der insolvenzbedingten Entlassung beim wdv – mein Erspartes schon ziemlich zusammengeschmolzen und eigentlich war nichts übrig, um ein neues Auto anzuschaffen. Doch es musste sein – und was sein muss, geht auch. Am Tag vor Jobbeginn holte ich meinen fast neuen VW Polo in Wiesbaden ab.

Verlust unseres Zuhauses

Ich arbeitete gerade ein paar Wochen fürs Bistum, als ich im November während einer Besprechung einen Anruf von unserem Vermieter auf dem Handy bekam. Nach dem Meeting rief ich ihn zurück und erfuhr, dass unsere Wohnung, in der wir zu diesem Zeitpunkt seit zehn Jahren wohnten, verkauft werden sollte. Ich war aufgelöst. Und die Worte des Vermieters machten es nicht besser: „Ich habe die Wohnung bereits inseriert. Und die meisten Leute, die sich gemeldet haben, wollen selbst einziehen.“ Ab da stand für mich fest: Früher oder später würden wir ausziehen müssen. Zwar hatten wir nach dieser langen Zeit eine rechtlich festgelegte Kündigungsfrist von neun Monaten. Doch ab diesem Moment begann die Uhr zu ticken, unser Zuhause fühlte sich nicht mehr so sicher an. Wenig später wurden bereits die ersten Interessenten – unter Einhaltung der Hygieneauflagen – durch unsere Wohnung geführt. Ein Alptraum.

Besichtigung? Leider nicht möglich

Ich reagierte auf diese Unsicherheit, indem ich versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. Sprich, indem ich die ImmoScout-App installierte und auf Wohnungssuche ging. Wir hatten schon ein Jahr zuvor kurz erwogen, eine Wohnung oder ein kleines Haus zu kaufen, es dann aber aus verschiedenen Gründen nicht gemacht. Einer davon waren natürlich die aufgeblasenen, unsinnig hohen Immobilienpreise. Da die sich seitdem nicht verändert haben, war auch jetzt relativ schnell wieder klar, dass Kaufen immer noch keine Option war. Eine Mietwohnung sollte es also sein. Und das in der momentanen Wohnungslage und während meiner Probezeit! Ich fand einige interessante Wohnungen, doch einen Besichtigungstermin zu bekommen gestaltete sich merkwürdig schwierig. Der eine Besitzer wohnte in Berlin und musste extra anreisen, eine andere konnte die Wohnung nur tagsüber zeigen und auch nur, wenn es mindestens zwei Interessenten-Parteien gab, damit es sich für sie rentierte, aus Frankfurt „heraus“ nach Kelkheim zu kommen. Ein Dritter wohnte ebenfalls weit entfernt, gab uns aber die Adresse der Wohnung und die Erlaubnis, durch die Fenster in die leeren Räume zu spähen und im Garten herumzuschleichen. Als wir das schließlich eines Samstagnachmittags taten, sprach eine wachsame Nachbarin uns an, was wir denn dort zu suchen hatten. Wir fühlten uns wie Einbrecher.

Foto: Julius Drost / unsplash.com

Währenddessen wurde ich auf ImmoScout zum Dauergast. Eine Wohnung, großzügige drei Zimmer mit zwei Balkonen und zwei Bädern, hatte es mir auf den Bildern besonders angetan. Und als ich die Adresse hörte, war ich hin und weg: Das Haus lag in genau der Straße, in der ich früher immer mein Auto geparkt hatte, um vom Fahrersitz aus zwischen zwei Presseterminen auf dem Laptop Artikel zu schreiben. Die beste Straße von Kelkheim, zumindest in meinen Augen. Denn sie liegt mitten im Leben, ohne laut zu sein, direkt daneben verläuft eine süße kleine Fußgängerzone mit allem, was man zum Leben braucht – und man hat freien Blick auf das Kloster, Kelkheims Wahrzeichen.

Für mich stand fest: Hier will ich hin! Die Mitarbeiterin der Wohnungsgesellschaft machte am Telefon zwar klar, dass wir kaum Chancen hatten. Denn als Katzenbesitzer schieden wir im Grunde von vornherein aus, außerdem gab es schon so viele Interessenten, dass wir uns lieber von dem Gedanken verabschieden sollten, dass die Wahl ausgerechnet auf uns fallen würde. Doch mit viel Überzeugungsarbeit blieb ich dran – und erkämpfte uns schließlich einen Besichtigungstermin.

Zittern bis zur Zusage

Am Tag der Besichtigung war ich richtig aufgeregt. Endlich würde ich die Wohnung sehen, deren Bilder ich mir seit Wochen im Internet anschaute. In der Mittagspause fuhren wir zu der angegebenen Adresse und ließen uns die Wohnung zeigen. Ich versuchte, der Mitarbeiterin und Björn gegenüber ein Pokerface zu bewahren, doch kaum waren wir nach dem Termin wieder daheim, platzte ich heraus: „Ich finde die Wohnung MEGA!“ 24 Stunden später bekundeten wir schriftlich unser Interesse und füllten den Bewerberbogen aus. Dann hörten wir erstmal: nichts. Als dann schließlich die telefonische Zusage – und eine Sondergenehmigung zur Katzenhaltung – kam, brauchte ich Björn die Neuigkeit gar nicht mehr zu berichten, er sah es schon an meinem glücklichen Gesicht. :)

Ein letztes (Corona-)Weihnachten

Wer hätte am Anfang der Pandemie gedacht, dass wir an Weihnachten immer noch eingeschränkt sein würden. Komische Feiertage waren das, sowieso und für jeden. Für uns kam noch dazu, dass es das letzte Weihnachten in unserer alten Wohnung sein würde, in der wir uns immer sehr wohl und geborgen gefühlt haben. Ich war aufgewühlt und angespannt, niedergeschlagen und erschöpft, so als ob ich mich bereits loslösen würde und deshalb keine zusätzlichen positiven Gefühle mehr in unser scheidendes Zuhause investieren konnte. Ich spürte auch schon die Last des Kommenden und konnte doch noch nichts vorbereiten. Nicht leicht auszuhalten.

Abschied von unserem Kater

Am 16. Januar starb unser Kater Tiger. Björn hatte ihn als Kätzchen bekommen und 17 Jahre lang geliebt, gestreichelt, gebürstet und gefüttert. Ich habe 13 Jahre lang mit ihm gelebt. Es ging ihm schon eine ganze Weile nicht mehr wirklich gut, eigentlich hat der Abschied sich abgezeichnet. Aber trotzdem war es sehr, sehr hart. Doch neben der Tatsache, dass er so alt geworden ist, sind wir auch dankbar dafür, dass er noch in seinem alten Zuhause sterben durfte. Der Stress wäre zu viel für ihn gewesen. Zwei Wochen später zogen wir in unsere neue Wohnung. Im neuen Wohnzimmer hat seine Urne nun einen festen Platz, auch wenn er nie hier mit uns gewohnt hat.

Chaos muss man aushalten: Unser Umzug

Am 3. Februar zogen wir endlich um. Und dann herrschte erstmal Ausnahmesituation. Wer Fotos davon sehen möchte, dem sei der Blogtext „Umzug in Corona – meine Tipps und Erfahrungen“ empfohlen, den ich kurz darauf geschrieben habe. Zum Glück konnten wir uns beide zwei Wochen frei nehmen, so dass, als wir Mitte Februar wieder anfangen mussten, das meiste bereits einigermaßen unter Kontrolle war. Trotzdem standen wir an unzähligen Feierabenden in der Schlange vor dem Baumarkt, um unseren Click&Collect-Einkauf abzuholen, und verbrachten die Samstage mit der Bohrmaschine und der Farbrolle in der Hand auf der Leiter. Drei Wochen lang mussten wir ohne Küche auskommen und unser schmutziges Geschirr in der Badewanne spülen. Doch an Björns Geburtstag, 23. Februar, ist unsere neue Küche eingebaut worden – und jetzt ist fast alles endlich ausgeräumt.

Foto: Cristina Gottardi / unsplash.com

Mein Fazit: Kein Wunder, dass ich sehr erschöpft bin nach den letzten sechs Monaten. Es sind einige harte Dinge passiert, die zum Teil auch an meinem Grundfundament gerüttelt haben. Nicht zuletzt war der Abschied von unserer alten Wohnung (und der ganze Mist, der damit verbunden war und von dem ich hier nicht öffentlich schreiben möchte) so hart für mich, dass ich auch jetzt in schwachen Momenten noch ab und zu weinen muss. Aber so ist es halt, das Leben ist halt phasenweise anstrengend. Es kommen auch wieder ruhigere Zeiten. Ich weiß, dass meine Glückssträhne weiter anhalten wird, denn die meisten der harten Dinge, die ich in den letzten Monaten erlebt habe, sind unterm Strich gut ausgegangen. Und dafür bin ich dankbar. <3

2 Kommentare

  1. Schön, dass du positiv bleiben kannst! Das ist ein echtes Talent und schon mehr als die halbe Miete, finde ich immer.

    Und Glückwunsch zur überstandenen Probezeit. 😉

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