Aus dem Archiv: Der Blick durch seine Brille (2013)

hkk_RaminPeymani_aze (6)Heute ist im Höchster Kreisblatt mein Artikel über den Klodeckel-Schreiber Ramin Peymani erschienen. Zur Erklärung: Peymani ist Kelkheimer und verleiht jeden Sonntag auf seinem Blog den Klodeckel des Tages an Menschen, Parteien oder Institutionen, die seiner Meinung nach in dieser Woche besonders tief ins Klo gegriffen haben. Das ist witzig, frech und furchtlos – deshalb haben seine Bücher bereits eine breite Fanbase. Vom dritten Teil hatte er wenige Tage nach der Veröffentlichung bereits über 100 Bücher verkauft, und das, obwohl er sie im Selbstverlag veröffentlicht!

Sein drittes Buch möchte ich zum Anlass nehmen, Euch von unserer ersten Begegnung vor zwei Jahren zu erzählen, bei der Peymani extra für mich sein Klo auseinander schraubte. :D Damals habe ich mich auch hier auf meinem Blog über den großartig skurrilen Pressetermin gewundert.

Der Text ist am 7. Januar 2013 im Höchster Kreisblatt auf Papier und online erschienen.

Der Blick durch seine Brille

Der Hornauer Ramin Peymani sagt, was er denkt. Immer sonntags, öffentlich auf seinem Internet-Blog. Dort schildert der FDP-Lokalpolitiker, was ihn in der vergangenen Woche besonders geärgert oder belustigt hat und worüber er sich wundert. Nun ist sein erstes Buch erschienen.

Von Anne Zegelman

Hornau. Jeden Sonntag um Punkt 14.30 Uhr geht ein neuer Eintrag online. Ramin Peymani hat seinen Internet-Blog darauf eingestellt, auf Pünktlichkeit können seine Leser sich also verlassen. Gar nicht berechenbar sind hingegen die Themen selbst, über die der Hornauer schreibt. Das soll bewusst kein rein politischer Blog sein, erklärt Peymani. In seinen Artikeln lässt der 44-Jährige Politiker sich selbst demontieren, prangert Unternehmen und deren dreiste Methoden an, wundert sich über die Zeitumstellung, Dieter Bohlen und die katholische Kirche. Den in seinen Augen ärgsten Fehltritt zeichnet Peymani immer sonntags mit dem Klodeckel des Tages aus. Er geht an Organisationen, Unternehmen oder Einzelpersonen, die in dieser Woche besonders tief ins Klo gegriffen haben, erklärt er.

Anspruch an sich selbst

Mit seinen spitzen, amüsanten und herrlich unkorrekten Kommentaren hat sich Ramin Peymani mittlerweile eine feste Leserschaft im Internet geschaffen. Nun hat er seine Artikel erstmals als Buch herausgebracht. Klodeckel 2012 heißt das 108 Seiten starke Werk, das insgesamt 50 Texte des vergangenen Jahres enthält. Und ungeniert offen Ohrfeigen verteilt. Die Reaktionen darauf seien durchweg positiv, berichtet Peymani und mündeten immer mal wieder auch in ein Schulterklopfen. Dann heißt es: Schön, dass sich endlich mal jemand traut, das auszusprechen!

Sein Blog ist ein fortlaufendes Projekt, seit 2009 füttert er die Seite regelmäßig. Der Sonntag ist für ihn zur festen Deadline geworden, die es einzuhalten gilt. Die Zeit fürs Schreiben muss er sich manchmal herausschnitzen aus dem täglichen Stress. Doch die Themen selbst sind so faszinierend, dass mich die Arbeit daran noch nie genervt hat, betont er. Peymani stellt Ansprüche, vor allem an sich selbst, und will aktuell sein. Manchmal schreibt er seine Artikel schon Mitte der Woche, weil es zeitlich passt nur, um dann festzustellen, dass ein anderes Thema später interessanter ist. Dann wandert ein eigentlich guter Text in die Tonne. Aber das ist auch in Ordnung.

Einen Spiegel vorhalten

Vor allem will er zum Denken anstoßen. Mein Impuls ist, den Leuten einen Spiegel vorzuhalten, sagt der Autor. Das versuche ich, indem ich etwas überspitzt auf den Punkt bringe. Bestenfalls kommt es zur Diskussion mit seinen Lesern, schlechtestenfalls zu Beschimpfungen. So wie nach der Veröffentlichung eines Artikels über die Piratin Julia Schramm, Beisitzerin im Bundesvorstand. Da gab es einige mehr oder weniger wüste Beschwerde-Mails zur Verteidigung von Frau Schramm, erinnert Peymani sich. Doch der Dialog ist dennoch wichtig.

Gut 300 Leser besuchen seinen Blog regelmäßig. Und auch der Verkauf des Buches, das kurz vor Weihnachten in einem Selbstkostenverlag erschien, ist gut angelaufen. Und das, obwohl er bisher kaum Werbung für sein Werk gemacht hat.

Ramin Peymani bezeichnet sich selbst als Nachrichten-Junkie. Täglich liest er mehrere Tageszeitungen und informiert sich im Internet. Aus dem, was er die ganze Woche über liest, sieht und hört, extrahiert er seinen persönlichen Aufreger der Woche. Rechenschaft über diese Auswahl ist er nur sich selbst schuldig. Doch was war für ihn der Fehlgriff des Jahres? Peymani überlegt kurz. Diese verfassungswidrige Entscheidung über den Rettungsschirm wird die weitreichende Folgen haben, glaubt der Wirtschaftsinformatiker.

Er kennt die Materie, arbeitete unter anderem vier Jahre bei der durch die Finanzkrise bekannt gewordenen Bank Goldman Sachs in Frankfurt. Und auch über Fußball schreibt er gern. Kein Wunder, schließlich war er vier Jahre lang Büroleiter von DFB-Präsident Theo Zwanziger. Mittlerweile ist er zurück in seinem alten Metier, hält Vorträge zum Thema Euro- und Staatsschuldenkrise und ist sonst Privatier. Doch der im Iran geborene Autor will nicht nur kritisieren und bewerten, sondern sich auch selbst politisch einbringen. Nachdem er sich zunächst bei der Freien Union von Ex-CSUlerin Gabriele Pauli probierte und anschließend bei den Freien Wählern in Wiesbaden aktiv war, hat Peymani nun in der Kelkheimer FDP sein politisches Zuhause gefunden. Auch von Parteikollegen kommt übrigens Zuspruch. Angst, jemandem auf dem Schlips zu treten oder vom Kurs seiner Partei öffentlich abzuweichen, hat Peymani nicht. Meine Grundhaltung ist liberal, aber das heißt nicht, dass man alles gut finden muss, was die FDP derzeit macht, sagt er.

Das Buch Klodeckel 2012: Der etwas andere Jahresrückblick von Ramin Peymani ist beim Verlag BoD erschienen und kostet 6,90 Euro. Der wöchentliche Internet-Blog ist unter http://www.klodeckel-des-tages.de aufrufbar.

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