Ovag-Jugendliteraturpreis vergeben: Gegen die allgemeine Verblödung

In den letzten Monaten habe ich noch mehr gelesen als sonst. Grund dafür war, dass ich in der Jury des Ovag-Literaturpreises saß und gemeinsam mit meinen Jurykollegen aus fast 300 Einsendungen die besten Texte und größten Talente herausfiltern durfte. Das hat mir großen Spaß gemacht – und dass mein Favoritentext gewonnen hat, die zauberhafte Kurzgeschichte „Juli“ von Kerstin Uebele, war natürlich dann noch eine ganz besondere Belohnung.

Gestern nun wurden die Awards verliehen, in einer sehr liebevoll gestalteten Veranstaltung im Ovag-Hauptsitz in Friedberg. Für mich war es spannend, die Jugendlichen zu sehen, deren Geschichten mir so viel Spaß gemacht haben, denn immerhin sind alle Texte für die Auswahl anonymisiert worden. Außerdem gab es Häppchen, nette Gespräche – und Blumen für die Jury.

Ein großartiger Abend und ein schönes Erlebnis, das wirklich Hoffnung macht: Diese jungen Schreiberlinge werden es bestimmt noch zu einigem bringen. Dabei wünsche ich ihnen viel Glück, immer ein Blatt Papier in der Tasche und Tinte im Füller.  Und falls Ihr mal Schützenhilfe braucht von einer etwas älteren und erfahreneren Kollegin, meldet Euch gerne. :)


 

„Texte, sehr nahe an professionellem Können“

In Friedberg wurde der 12. Jugend-Literaturpreis der OVAG vergeben (Pressemitteilung)

Dickes Lob aus berufenem Munde: Mehr als viele Therapeuten verstehe die Erstplatzierte Kerstin Uebele (18 Jahre) aus Bad Nauheim von der Psyche missbrauchter Menschen, wie in ihrer Geschichte „Juli“ geschildert. Wer erfahren wolle, was Menschen auf der Flucht wirklich erlebten, der solle den beklemmenden Text „23.000“ des Zweitplatzierten, des 23-Jährigene Gießeners Christian Sedlak lesen. Wie kompliziert Liebesdinge seien, das wisse die 20-Jährige Julie Schöttner (Waldsolms) mit ihrem Werk „Fünfter Stock neben Fisch“ meisterhaft zu beschreiben.

Helge Malchow
Helge Malchow. Foto: Andreas Matlé / Ovag

Mit wenigen, aber treffenden Worten skizzierte Helge Malchow bei der Preisverleihung des 12. Jugend-Literaturpreises der OVAG in der Hauptverwaltung des Unternehmens in Friedberg die drei Erstplatzierten des diesjährigen Wettbewerbs im Rahmen seiner Laudatio. Aber auch vom Können der restlichen 21 Preisträger zwischen 14 und 23 Jahren aus Oberhessen war Malchow, Verleger einer der bedeutendsten Verlage Deutschlands – Kiepenheuer & Witsch – beeindruckt:

„Viele der Texte, die ich lesen durfte, reichen sehr nahe an professionelles Können heran.“

In Zeiten, in der jeder allesmögliche im Internet veröffentliche könne, hätten alle 300 Teilnehmer am Wettbewerb einen wichtigen Schritt unternommen: Sich quasi der Qualitätskontrolle einer Jury unterzogen wobei sich die Preisträger noch auf die Arbeit im viertätigen Workshop im November in Bad Kissingen mit bekannten Schriftstellern freuen dürfen. Daraus hervor geht dann das Buch „Gesammelte Werke“ mit den lektorierten Texten der Gewinner.

„Ich darf sagen“, so Helge Malchow, „das dieser Wettbewerb in seiner Konzeption und seiner Nachhaltigkeit – Jury, Preisverleihung, Workshop, Hörbuch, Buchausgabe und Lesetournee – in Deutschland seinesgleichen sucht.“

Für das Engagement der OVAG bedankte sich in einem Grußwort auch Jo Dreiseitel, Hessischer Staatssekretär für Integration und Diskriminierung. Rolf Gnadl, Vorstand der OVAG, ging in seiner Rede ein auf die Motive der jungen Autoren, sich mit ihrem Text der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gleich, ob sie den Finger in die Wunder gesellschaftlicher Missstände legen oder eigene Verwunden verarbeiten oder schlichtweg unterhalten wollten – egal, so Gnadl, in der Hauptsache wirkten sie so der „digitalen Demenz“ und der drohenden „allgemeinen Verblödung“ entgegen, wie er es zugespitzt ausdrückte.


Aus dem Leben einer Schreiberin - der Autorinnenblog

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