Don’t look up: Die Herrschaft der Verblödeten

Foto: Jon Tyson

„Don’t look up“ ist für mich der intensivste und beunruhigendste Film, der derzeit auf Netflix zu finden ist. Das Internet ist voll von Filmbesprechungen, allein in der Google-News-Suche gibt es über eine Millionen Treffer dazu. Deshalb möchte ich hier gar nicht groß darüber schreiben, wie aktuell und gesellschaftskritisch der Anfang Dezember 2021 erschienene Film von Adam McKay mit Leonardo DiCaprio, Meryl Streep und Jennifer Lawrence ist. Sondern nur sagen, dass er mich zutiefst traurig gemacht hat. Und warum.

Laut Filmdatenbank IMDB handelt es sich dabei um eine Mischung aus Comedy, Drama und Sci-Fi. Doch in der Welt, in der wir heute leben, vergeht einem bei solcher Art von Comedy das Lachen. Die idiotische, soziopathische Präsidentin und vor allem ihr verblödeter Sohn, der auch noch der Stabschef ist, erinnern nicht nur vage an etwas, das wir vier Jahre lang ertragen mussten. Auch wenn die Präsidentin weiblich ist, auch wenn alles ein klein wenig anders erzählt wird – das, was wir da sehen, ist eindeutig ein Portrait von Donald Trump und seiner Schreckenspräsidentschaft. Inklusive Trucker-Käppi mit Sprüchen, die dazu aufrufen, die sichtbare Wahrheit zu verleugnen. Inklusive sexuell anzüglicher Aussagen unter Familienmitgliedern.

Verblendung, Dummheit, Gier, Vetternwirtschaft – all diese Dinge führen am Ende die ganze Menschheit ins Verderben und die Erde in die Zerstörung. Und alles nur, weil die Falschen die Entscheidung treffen. Es handelt sich bei „Don’t look up“ um das schmerzhafte Portrait einer durch und durch verblödeten Gesellschaft. Dabei kann man den auf die Erde zurasenden Kometen durch jede andere tödliche Art der Katastrophe ersetzen – zum Beispiel den Klimawandel, zum Beispiel Corona. Der Ausgang ist immer der Gleiche: Die Wissenschaft wird kleingeredet, verleugnet, die Menschheit entscheidet sich aus eigener Begrenztheit, aus Angst und Bequemlichkeit dagegen, die Bedrohung ernst zu nehmen. Und zahlt am Ende den ultimativen Preis.

Der Film hat mich traurig gemacht, weil das, was da gezeigt wird, gut und gerne die Wahrheit sein kann. Diese Dummen, die vielleicht noch ganz andere Gründe für ihre Handlungen haben, nämlich solche, die noch viel weniger leicht entschuldbar sind als Dummheit, haben die Macht in unserer Gesellschaft übernommen. Trump-Anhänger, Querdenker, Aluhutträger, Nazis: Sie alle sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Und das macht mich so traurig. Denn diese Horde der Verblödeten ist nur deshalb mächtig, weil sich ihr so viele freiwillig anschließen. Und diese Verblödeten wählen die Falschen in die politischen Ämter. Doch dafür bluten müssen wir alle. Wir in Deutschland haben noch allzu deutlich vor Augen, wohin das führen kann.

„Don’t look up“ ist fast nicht zum Aushalten. Und das ist auch gut so. Denn allzu real ist die Bedrohung, dass die Horde irgendwann übermächtig wird. Und die Angst, dass Trump 2024 zurückkehrt, ist ebenfalls nicht weit hergeholt. Es langt nicht, dass er einmal verjagt wurde, es langt nicht, dass einmal all die Millionen unterschiedlichen Menschen, die gegen ihn waren, zusammengestanden und ihn abgewählt haben. Dieses Kunststück muss nochmal gelingen. Und daran habe ich große Zweifel, denn in vier Jahren Biden-Regierung werden einige vergessen haben, wie es war unter Donald Trump – und glauben, der nächste demokratische Sieg sei nun ein Selbstläufer. Sie werden glauben, dass die Menschheit zwischenzeitlich zur Vernunft gekommen ist. Doch das stimmt nicht. Und die Horde der Verdummten steht schon bereit, um wieder zu übernehmen.

Der Ausweg? Denen zuhören, die uns warnen. Die Wissenschaft nicht kleinreden, denn Fakten sind nicht verhandelbar. Und weiter laut sein, auch wenn es anstrengend ist und wir müde sind. Aber sich nicht einfach verdrossen zurückziehen und die Entscheidungen der ganzen Menschheit den Dummen überlassen. Denn dann geht die Welt unter. Punkt.

„Don’t look up“ ermutigt dazu – ja, er ist ein Aufruf an alle, die noch dazu in der Lage sind, nach oben zu sehen, es zu tun und laut davon zu erzählen.

Unbedingt anschauen.

8 Kommentare

  1. Ich hätte keine Lust, mir so einen verunglimpfenden Film anzusehen. Da wird der Zuschauer je bewußt „verblödet“. Verzeihung, jetzt habe ich vielleicht vorschnell abgewertet. Da ich aber ungeimpft bin, fühle ich mich schon irgendwie persönlich angesprochen.

      1. Was heißt „Wissenschaft“? Blind glauben kann ich ihr nicht mehr. Denen ich wirklich glauben würde, die kommen nicht zu Wort, so daß sich Meinungen verfestigen, die nicht wirklich gefestigt sind durch Beweise.

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