Wenn ich reise, mache ich mir manchmal einen Spaß daraus, so wenig wie möglich mitzunehmen. Im März zum Beispiel bin ich mit fast nichts im Rucksack nach München gefahren, ein herrlich leichtes Gefühl. Nun ist mir etwas passiert, das mich das Thema Packen nochmal neu sehen lässt. Ich bin am vergangenen Freitag zu meinem Freund gefahren und dachte eigentlich, ich bleibe nur zwei Tage. Genau so viel hatte ich auch dabei – zwei Sets Unterwäsche, eine Jogginghose und ein weites Shirt zum Schlafen, eine schwarze Hose, zwei Shirts, eine Strickjacke, die Ohrringe, die ich trug, und meinen Arbeitslaptop. Geblieben bin ich am Ende eine Woche. Und ich kam klar. Einmal haben wir meine Sachen zwischendrin gewaschen, so dass ich alles weiter anziehen konnte. Aber ich habe mir – fürs tägliche Leben – nichts dazu gekauft und auch nichts vermisst, obwohl ich anfangs dachte, hm, vielleicht wären ein oder zwei günstige Shirts und noch ein Pulli vielleicht gute Anschaffungen.
Es war eine interessante Erfahrung, aus der ich durchaus etwas mitnehme fürs künftige Reisen – oder vielleicht sogar für die Ausstattung meines eigenen Kleiderschranks zuhause.
Farben: Für die zwei Tage, aus denen dann sieben wurden, hatte ich ausschließlich schwarze Oberteile eingepackt. Und siehe da, man kann sie völlig ohne Probleme zwei oder drei Tage am Stück tragen, wenn man nichts drauf kleckert. Hellere Stoffe wasche ich meist nach einem Tragen, weil ich finde, dass sie anschließend leicht schmutzig aussehen. Schwarze Dinge kann man tragen, tragen, tragen.
Zwiebel: Aus einem Shirt und einer Strickjacke wird ein Outfit für kühlere Temperaturen. Aus zwei Shirts übereinander wird ein Outfit für Tage, an denen ein Shirt zu dünn wäre. Ein Pulli, ein Langarmshirt, all diese Zwischenvarianten braucht es gar nicht, wenn man mit dem arbeitet, was man hat.
No Brainer: Wer fast nichts zur Auswahl hat, muss nicht lange überlegen, was er anzieht. Ja, man sieht immer gleich aus. Aber auf der Pro-Seite hört man völlig darüber auf, sich über Kleidung Gedanken zu machen, und hat Raum im Kopf für andere Dinge.
Ordnung halten: Normalerweise lege ich meine getragenen Dinge, die ich vielleicht nochmal anziehen will, auf Timos Sessel im Wohnzimmer statt zurück zu meinen Sachen. :’D Diesmal habe ich die getragenen Kleidungsstücke ordentlich wieder zusammengelegt, so dass ich immer auf den ersten Blick sehen konnte, was ich vor mir habe. Statt zu denken, nehme ich was von den getragenen Sachen vom Sessel oder doch lieber etwas Frisches, hatte ich immer den Eindruck, dass alles tragbar ist.
Seitdem ich zurück bin und beim Anziehen wieder alles zur Verfügung steht, was ich besitze, habe ich das dringende Bedürfnis, meinen Kleiderschrank auszusortieren. Denn ich glaube, meine Kleidung könnte auch daheim effektiver funktionieren, also so, dass ich mich verlässlich angezogen fühle, ohne mir allzu viele Gedanken darüber machen zu müssen. Ich experimentiere schon seit Jahren immer mal wieder mit einer Capsule Wardrobe, also damit, möglichst wenig Dinge im Schrank zu haben, die alle gut passen, die alle schlicht und deswegen alle miteinander kombiniertbar sind. Das hat viele Vorteile, denn wenn man keine Fast Fashion kauft, kann man sich auf qualitativ bessere Dinge konzentrieren, bessere Stoffe und Passformen auswählen und muss weniger oft neu kaufen. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut, auch weil die immer gleichen, schlichten, einfarbigen Teile irgendwann langweilig werden und einem so ein bisschen den Spaß an Kleidung verderben. Dann kann es passieren, dass ich mit Freundinnen oder alleine herumbummele und doch anfällig für reduzierte bunte Oberteile bin, auch wenn ich genau weiß, dass sie schnell wieder ausziehen werden. Wahrscheinlich ist eine Kombi für mich am besten, also eine verlässliche Kleidungsbase und obendrauf ab und zu mal etwas Buntes, Witziges.
Habt Ihr schon mal damit experimentiert, weniger statt mehr im Schrank zu haben?



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