#psyche: Für mehr freiwilligen Verzicht – eine Ideenliste

Foto: Chris Ensey

Ich liebe freiwilligen Verzicht. Seit Jahren begleitet mich das Thema Minimalismus (oder mehr die Frage, warum ich eigentlich immer noch so viel besitze). Ich habe für die Zeitung mal eine ganze Fastenzeit lang auf mein Handy verzichtet und in einem anderen Jahr ebensolange auf Social Media. Und es hat mir immer gut getan, meinen Alltag ganz bewusst um ein Element zu beschneiden.

Leider war Verzicht zuletzt so gar nicht sexy. 2022 schien es, als hätte die Gesellschaft in Corona auf so viel verzichtet, dass wir nun endlich wieder aus dem Vollen schöpfen wollten. Kaufen. Feiern. Reisen. Freunde treffen. Mit hunderttausenden von Menschen in Stadien Konzerte besuchen. Sogar im kirchlichen Kontext war Verzicht im vergangenen Jahr kein Thema, das wir als Pressestelle für die Fastenzeit-Aktion nutzen wollten – immerhin fühlte es sich zu dem Zeitpunkt an, als kämen wir gerade aus einer mehr als zweijährigen Fastenzeit. Stattdessen legten wir den Schwerpunkt auf Menschen, die für andere da waren, die mehr taten als selbst zu fasten.

Nun ist, so scheint es, nach dem ersten Winter ohne Schließungen, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren das erste Jahr unseres „neuen Normal“ angebrochen. Und das fühlt sich doch sehr nach dem „alten Normal“ an. Für mich ist es also an der Zeit, das Thema Verzicht wieder in meinem Leben willkommen zu heißen und es vielleicht sogar etwas auszudehnen. Dabei ist mir sehr bewusst, dass es ein Privileg ist, freiwillig zu verzichten – denn das bedeutet, dass ich nicht nur genug habe, sondern mehr, als ich brauche (siehe dazu auch meinen Artikel zum Thema „Enoughism“). Dieses Privileg darf ich nutzen, denn Verzicht kann wunderbar reinigend sein – und dabei helfen, sich neu auszurichten. Menschen, die regelmäßig fasten, können das bestätigen.

Im Januar verzichte ich aktuell auf Fleisch und Fisch, denn irgendwie war mir das im Dezember alles zu viel. Gänsebraten und Putenschlegel, Bratwurst und Salami-Pizza – irgendwie fühlte ich mich zuletzt einfach nur vollgestopft mit leckeren, aber toten Dingen. Vegetanuary statt Veganuary also. Aber besser als gar nichts.

Letztens unterhielt ich mich mit einem Bekanntem über unsere Diäten und Verzichte – und er erzählte, dass er eigentlich immer irgendetwas gerade nicht tue oder esse. Das brachte mich auf die Idee, vielleicht mal ein ganzes Jahr lang jeden Monat unterschiedliche Dinge auszusparen. Möglichkeiten gibt es viele:

  • Fleisch und Fisch
  • Milchprodukte
  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • Kaffee (auch koffeinfreien)
  • Alkohol (für mich nicht schlimm, ich trinke kaum etwas)
  • Handy
  • Social Media
  • Shoppen
  • Essengehen
  • Autofahren
  • Filme/Serien streamen
  • Kleiderauswahl (bezieht sich auf Ideen wie das Uniform Project, bei dem eine Frau 2010 ein ganzes Jahr lang das gleiche Kleid trug)

Für mich ist diese Liste zunächst eine ungeordnete Sammlung, aus der ich mir, wenn ich nach dem Januar weitermachen oder zwischendrin wieder einsteigen möchte, weitere Ideen holen kann. Aber ohne Zwang, die Punkte darauf abzuarbeiten. Ich merke, dass die Freiwilligkeit am Verzicht mir wichtig ist – und ich das allein für mich selbst mache, nicht, um anderen etwas zu beweisen. Vielleicht kennt Ihr das auch aus eigener Erfahrung?

Foto: tu tu

Manche Ideen von meiner Liste reizen mich auch mehr als andere. Den Vorsatz, einen ganzen Monat mal das selbe Kleidungsstück zu tragen finde ich zum Beispiel grandios, da ich mich schon seit Jahren mit dem Thema „Capsule Wardrobe“ beschäftige und wirklich wunderbare Erfahrungen damit gemacht habe. Da wäre die Beschränkung auf ein einziges Kleid, wahrscheinlich am besten aus Mikrofaser, damit es über Nacht gut trocknet, eine coole Herausforderung.

Auch nochmal aufs Handy zu verzichten kann ich mir sehr gut vorstellen, denn das waren damals gute Wochen, in denen ich plötzlich unendlich viel Zeit hatte. Allerdings hat sich seitdem auch technisch viel getan – und manche Dinge des Alltags wie zum Beispiel Online-Banking funktionieren nur noch per Freigabe mit Handyapp. Aber auch dafür gibt es bestimmt eine Lösung.

Vielleicht habt Ihr ja noch andere Ideen für freiwilligen Verzicht – wenn ja, schreibt sie sehr gerne in die Kommentare.

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