Fronleichnams-Prozession in Schwalbach: Anfangsszene aus glueckskind

Es ist ein heißer Fronleichnamstag Anfang der 50er Jahre. In einer kleinen Kommune im Taunus ziehen die Katholiken, ebenso wie überall sonst im Land, durch die feierlich geschmückten Straßen. Sie singen und beten, schwitzen und wedeln sich mit ihren Gebetbüchern Luft zu.  Doch plötzlich wird an einer Hausfassade in der Feldstraße eine Fahne entrollt, die so gar nicht zu den gelb-weißen Fahnen der katholischen Gemeinde passt – und die für einen ziemlichen Skandal sorgt.

Wer glueckskind gelesen hat, dem dürfte diese Szene bekannt vorkommen. Denn die ersten Seiten spielen während der Fronleichnamsprozession. Als Vorbild dafür habe ich die Prozession in Schwalbach am Taunus genommen, die ich während meiner Kindheit ganz oft mit meiner Mutter und meinem Bruder besucht habe. Und nachdem ich die Szene in den vergangenen Monaten so oft vorgelesen habe, hatte ich Lust, mal wieder zur Prozession zu gehen und zu schauen, was sich so geändert hat im Lauf der Jahre. Tatsächlich gar nicht viel: Die Häuser sind immer noch mit gelb-weißen Fahnen geschmückt, es werden immer noch dekorierte Tische vor die Haustüren gestellt, auch  wenn es heute deutlich weniger waren als früher. Und noch immer singen die Menschen voller Ernsthaftigkeit und Überzeugung, während sie durch die Straßen laufen.

Bei meinen Lesungen kommen immer wieder Besucher auf mich zu und erzählen, dass der Fronleichnamszug in ihrem Heimatort ganz genauso wäre, wie er im Buch beschrieben ist. Deshalb möchte ich Euch hier mal das Vorbild für die Fronleichnamsprozession zeigen, die ich beim Schreiben vor Augen hatte. Währenddessen wollte ich keine Fotos machen, aber danach habe ich ein paar Schnappschüsse gemacht – auch wenn die Tische dann schon wieder abgeräumt waren und ich mich aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung nicht getraut habe, Menschen zu fotografieren. ;) Schönen Abend Euch allen!

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