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#neustart: Ein Jahr „Glück“ im Dachgeschoss

Gestern vor einem Jahr bin ich in meine Wohnung gezogen. In dieses große, lichtdurchflutete, schöne Zimmer mit Dachschrägen und Blick auf die Bäume. Gerade denke ich viel darüber nach, wie dieses erste Jahr mich geprägt hat und was ich gelernt habe. Über Trennung und Neubeginn natürlich, aber auch über Geld. Denn mein Hausi, das kleine süße Haus, das ich vor drei Jahren mit meinem damals langjährigen Partner gekauft habe, ist noch immer nicht verkauft, obwohl wir in den letzten Monaten viele sehr schöne und positive Besichtigungen hatten. Der Funke ist oft übergesprungen, vor allem bei zwei sehr netten Frauen, die sich richtig in das Hausi verliebt haben. Aber am Ende hatten sie doch Zweifel. Das muss man respektieren, es ist nunmal eine sehr spezielle Immobilie, klein, mit steiler Treppe und winzigem Bad. Aber auch mit ganz viel Seele. Deshalb wünsche ich mir sehr, dass das Haus in die richtigen Hände kommt. Und bis es soweit ist, trage ich weiter – wie schon seit zwölf Monaten – tapfer die finanzielle Doppelbelastung.

Dass das nicht einfach ist, kann sich jeder ausmalen, der die Kauf- und Mietpreise im Rhein-Main-Gebiet kennt. Da bleibt nicht mehr viel übrig – und am Monatsende sowieso nicht. Aber ich komme klar, erstaunlicherweise. Weil ich sparsam lebe und für mich selbst nicht viel einkaufe, weil Nudelsuppe mit ein paar Erbsen und einem Ei für mich eine vollständige Mahlzeit ist, weil ich viel weniger ausgehe als früher. Weil ich jetzt nach Jahren wieder angefangen habe, ab und zu frei für die Zeitung zu schreiben, um nebenher etwas dazuzuverdienen. Und weil ich, darunter, irgendwie getragen bin, daran glaube ich fest. Denn ich sehe ja: Jedesmal, wenn das Geld wirklich droht, auszugehen, kommt irgendwoher eine Lösung. Und den Rest löse ich mit Mut und Abenteurerinnen-Mentalität. Damit lässt sich vieles möglich machen.

Anfang des Jahres habe ich mir einen größeren Kühlschrank gewünscht, weil mein Single-Kühlschrank einfach zu klein war. Dafür habe ich mir von allen lieben Menschen, die mir etwas zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken wollten, einen Beitrag gewünscht. Damit hatte ich schon einen guten Grundstock. Und dann kam aus dem Nichts die Möglichkeit, für Geld an einer Haarfärbestudie teilzunehmen. Ich ließ mir also in Darmstadt drei Stunden lang die Haare mit einer pflanzlichen Farbe dunkler tönen – und konnte mir mit dem, was ich dafür bekam, sogar noch einen besseren Kühlschrank kaufen als geplant. Sie ließ sich in den Wochen danach ganz gut auswaschen – und mittlerweile habe ich mir die Haare sowieso wieder abgeschnitten für den Sommer.

Ich bin stolz darauf, dass ich klar komme in dieser schon sehr lange andauernden Phase. Aber natürlich ist schon Kreativität gefragt, das ist so. Und Verzicht tut oft auch richtig weh. Zum Beispiel, nicht mitzugehen, wenn alle Kolleg:innen nach dem Dienstgespräch zusammen im Restaurant zu Mittag essen und ich alleine in der Teeküche meine Nudeln vom Vortag aufwärme. Aber das ist okay, auswärts essen ist einfach ein riesiger Luxus, den ich mir, wenn, dann gezielt mit meinem Freund oder Freundinnen gönnen möchte und nicht zwischendrin am Tag, wenn ich genausogut von dem satt werden kann, was ich schon habe.

Um im richtigen Mindset zu bleiben, hilft es mir, auf YouTube Videos über sparsames Leben und Minimalismus anzuschauen (auf englisch heißt das „frugal living“). Wenn man dort sieht, mit wie wenig Menschen auskommen müssen und können, fühlt man sich bestärkt und inspiriert – und spürt, wie viel man schon hat, von dem man leben und zehren kann. Dazu kommt, dass es sich auch tatsächlich leichter anfühlt, weniger zu kaufen. Ganz viel Geld habe ich in der Vergangenheit für Überkonsum ausgegeben, nur um einen kurzen Moment lang ein Kaufglücksgefühl zu spüren. Ich gebe zu, ab und zu mache ich das immer noch. Aber dann vor allem auf dem Flohmarkt, wo es richtige Schätze für ganz wenig Geld gibt.

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Über dezembra

Anne: Frau, über 40, Redakteurin, Buchautorin, kinderlos und verliebt ins Leben, bloggt über Zwischenmenschliches und Psychosoziales, über Frauenthemen und Arbeitsdinge, übers Reisen und das Leben ohne Schilddrüse.

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