Schon im letzten Blogbeitrag habe ich euch erzählt, dass ich eine Woche in Holland am Meer verbracht habe, das war wunderschön. Wir sind ein bisschen rumgereist und haben jeden Tag einen anderen Strand besucht, weshalb ich mich, was westholländische Strände betrifft, nun ein bisschen auskenne. Das ruft natürlich nach einem Reiseblogbeitrag über die Strände und ihre Eigenheiten, und zwar, solange die Eindrücke noch ganz frisch sind. Schon 2020 habe ich euch vier Strände in Holland vorgestellt, damals war ich allerdings weiter oben:
Hier also nun die Strände, die ich 2026 besucht habe, inklusive Tipps, was Ihr beachten solltet, wenn Ihr dort einen entspannten Tag verbringen wollt. Wie schon beim letzten Mal möchte ich jeweils etwas zu
- Schönheit
- Sauberkeit
- Schattenmöglichkeiten
- Auslastung
- Zugänglichkeit
- Gastronomie und
- Parkplätzen
schreiben. Und auch hier gilt: Falls Ihr Ergänzungen habt oder einen der Strände selbst schon mal besucht habt, freue ich mich über Kommentare.
Die 2026er-Liste fängt gleich mit einem richtigen, hm, Brecher an. Ich will ja nicht gleich zu Beginn meckern, aber hier ist es echt angebracht. Ich verspreche, danach wird es deutlich milder und urlaubiger. :)
Der Kommerzielle: Scheveningen

Scheveningen ist der Stadtstrand von Den Haag – und der einzige Strand in diesem Jahr, der mir so gar nicht gefallen hat. Der Strand selbst wird eingerahmt von einem riesigen Pier und einem Rondell seitlich, oben von einer rummeligen Strandpromenade und einem Beachclub am nächsten. Alles ist wahnsinnig kommerziell, teuer, überall gibt es Essen und Souvenirs zu kaufen, es ist wahnsinnig voll, die Leute sind genervt, es ist laut. Sauberkeit ist okay, Schatten gibt es, zumindest kostenlos, keinen. Aber das Schlimmste ist eigentlich das Parken. Am Anreisetag sind wir hier gelandet und wollten eigentlich nur das Meer begrüßen. Dafür durften wir saftige 3,20 Euro pro 30 Minunten im Parkhaus bezahlen, was das Meerbegrüßen eher stressig gemacht hat, immerhin wollten wir schnell wieder rausfahren. Einige Tage später waren wir nochmal in Scheveningen und dachten, wir parken etwas entfernt an der Straße. Leider sollte das auch 7,80 Euro die Stunde kosten. Unglaublich. Wir sind also stattdessen wieder ins Parkhaus gefahren, haben 15 Euro bezahlt dafür, dass wir unser Auto abstellen konnten, während wir zweieinhalb Stunden das Sea Life Aquarium besucht haben. Ein Pärchen, das neben uns am Bezahlautomat stand, musste sogar über 20 Euro zahlen. Wie ich hörte, gibt es die Möglichkeit, zu einem festen Tagessatz außerhalb zu parken und mit der Straßenbahn reinzufahren. Und offenbar ist es auch etwas günstiger, wenn man seinen Parkplatz vorab reserviert. Da mir der Strand und seine seelenlose Aufmachung überhaupt nicht gefallen haben und ich dort nicht mehr hinfahren möchte, ist das für mich nicht relevant, für Euch aber vielleicht.
Der Einheimische: Kijkduin

Das erfrischende Gegenteil zu Scheveningen und eine große Empfehlung ist der süße Strand Kijkduin. Zwar gehört er ebenfalls zu Den Haag, allerdings geht es hier ganz anders zu. Kijkduin ist eher ein Strand für die Einheimischen, entsprechend werden hier kaum Souvenirs oder überteuerte Snacks angeboten. Man parkt kostenlos, Parkplätze sind auch ausreichend vorhanden, wenn man vor zehn Uhr morgens kommt. Danach wird es in den Sommermonaten voll und dann hat man Pech. Es gibt einen Supermarkt, in dem man sich mit allem Nötigen für den Strandtag eindecken kann, daneben auch einen kleinen HEMA und andere Dinge fürs eher tägliche Leben, auch eine Eisbude und ein paar Restaurants, allerdings auf der Promenade und nicht unten am Sand. Wenn man rechtzeitig da ist, kann man hier einen wunderbar entspannten und kostenlosen Strandtag verbringen. Schatten gibt es ein bisschen hinten an den Dünen, es empfiehlt sich aber grade ab Mittags, einen eigenen Schirm dabei zu haben. Den haben wir uns am selben Nachmittag noch Second Hand gekauft (über die tollen Second Hand Märkte auf unserer Reise muss ich auch unbedingt mal etwas schreiben) und waren ab dann unabhängig.
Der Trubelige: Katwijk aan Zee

Ein richtiger Urlaubsstrand, zwar sehr voll bei gutem Wetter, aber von der Stimmung her nicht extrem touristisch. Wenig Gastro, kaum Beachclubs, stattdessen gibt es eine Fischbude an der Promenade, ein Restaurant in den Dünen und weiter hinten, schon im angrenzenden Wohngebiet, eine Snackbude mit typischem holländischen Frittierangebot, die allerdings nach Bedarf öffnet und schließt, auch wenn ein Schild behauptet, sie hätte bis 23 Uhr geöffnet. Wer Schatten braucht, sollte unbedingt seinen eigenen Schirm mitbringen. Wir waren beeindruckt, wie die Familien drumherum sich regelrechte Schattenburgen aus mehreren Schirmen und Tüchern gebaut haben. Wenn man Glück hat und einen Parkplatz im Wohngebiet findet, zahlt man bis 21 Uhr Parkgebühr an einem Parkautomaten, das heißt, notfalls muss man nochmal nachwerfen. Günstig war das jetzt auch nicht, ich meine, um die drei Euro pro Stunde. Aber kein Vergleich zu Scheveningen. ;) Dafür war das Erlebnis am ersten Tag gut – alles andere kam uns fast schon günstig vor. Die Exkursion zum Parkautomaten habe ich genutzt, um uns am Snackbüdchen zwei eiskalte Heineken zu organisieren. :) Und wer bis zum Sonnenuntergang bleibt, hat den wunderschönen Strand fast für sich.
Der Unterschätzte: Hoorn (IJsselmeer)

Einen sehr schönen Abend haben wir am IJsselmeer-Stadtstrand in Hoorn verbracht. Eigentlich haben wir nur einen idyllischen Ort gesucht, um nach dem langen Tag in Amsterdam unsere Take-Away-Pizza zu essen, und sind dort gelandet. So habe ich mir den Strand am Binnenmeer gar nicht vorgestellt, wir mögen beide eher die raue Nordsee. Aber wunderschön friedlich war es dort, ich fand es auch sehr sauber (entgegen anderer Bewertungen bei Google). Es war nahezu leer bei Sonnenuntergang, was ich sehr angenehm fand, also auch schön ruhig. Und komplett unkommerziell. Bestimmt tagsüber auch schön zum Baden, zudem der Strand nicht weit vom Stadtzentrum entfernt ist und man zum Mittagessen einfach in den Ort laufen kann. Wir konnten kostenlos parken, weil wir nach 21 Uhr kamen, aber auch tagsüber kostet es nicht viel. Wirklich eine sehr hübsche Alternative zur offenen See auf der anderen Seite.
Der Industrielle: Wijk aan Zee

Ein Surferparadies mit recht rauen Wellen. Man fährt Kilometerweit durch die Dünen und ist ein bisschen lost, weil Strand und Parkmöglichkeiten schlecht ausgeschildert sind. Wir hatten das Glück, am frühen Abend hier zu landen, so dass wir irgendwann einfach einen Parkplatz an der Straße genommen haben. Man stapft zwischen Dünen entlang zum Strand, wir kamen dabei zufällig an einem süßen alternativen Surfclub vorbei, in dem erst ein DJ auflegte, später dann aber mehr Gitarrenromantik herrschte. Der Strand selbst ist sehr sehr schön, solange man nach vorne aufs Meer schaut. Wenn man sich umdreht, sieht man Industrieschlote rauchen. Mich hat das jetzt nicht gestört, ich war glücklich, am Strand zu sein und habe einfach auf die Wellen geblickt, aber ich glaube, so manches Auge würde sich nur darauf konzentrieren. Schatten: keiner. Und Gastro auch keine.
Der Schimmernde: Noordwijk

Noordwijk hat uns beiden besonders gut gefallen, deshalb war es schön, dass wir hier den letzten Tag unserer Reise verbracht haben. Allein schon die Anreise: Man fährt vorbei an blühenden Tulpenfeldern, durch Dünenstraßen und kommt gut gelaunt an. Wir haben nachmittags problemlos einen Parkplatz auf dem gut ausgeschilderten Areal nahe des Strandes gefunden. Zehn Euro kostet die Tageskarte, dafür kann man bis Mitternacht stehen. Man läuft vom Parkplatz vielleicht fünf Minuten zum Strand und kommt unterwegs vorbei an Restaurants und einem Kinderspielplatz, verschiedenen Eisdielen und Snackbuden. Der Strand selbst ist sehr schön, voll an warmen Tagen, aber die Stimmung ist insgesamt gut, man nimmt Rücksicht aufeinander. Das Meer fällt flach ab, das heißt, man kann schön baden. Es gibt eine Wasserrinne, in die das Meerwasser läuft, wenn die Flut kommt. Da muss man ein bisschen aufpassen, denn Wasser will immer zu Wasser und wir saßen dazwischen und wurden geflutet. :D Es gibt einen Beachclub, in dem man auch Schirme und Liegen mieten kann, wir waren allerdings unabhängig mit unserem pinken Sonnenschirm. Nach einem sehr leckeren Picknick-Dinner, das wir mitgebracht haben, erlebten wir hier einen wunderschönen Sonnenuntergang. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir uns noch ein Eis geholt und beobachtet, wie viele interessante Menschen in der blauen Stunde an uns vorbei zum Strand gelaufen sind: Hippies, ein Mann, der aussah wie ein Wikinger, Hundegänger. Das zu erleben, zusammen mit dem Eis und dem leuchtend blauen dunklen Himmel war einfach ein superschöner Abschied vom Strand. Ein Bonuspunkt: Vor einem der Läden standen Beach-Rollstühle mit extra dicken Reifen zum Ausleihen parat.
Jeder der Strände, die wir in diesem Sommer besucht haben, hatte seinen eigenen Charme. Am besten hat uns beiden Noordwijk gefallen, mit seiner schönen Anreise mit den Tulpen und Dünen. Scheveningen steht ganz am Schluss der Liste, das ist schrecklich kommerziell, man fühlt die Natur nicht und hat den Eindruck, überhaupt nicht willkommen zu sein. Timo fand Kijkduin sehr gut mit seiner unkomplizierten Infrastruktur und dem kostenlosen Parken, der Weg zum Strand war nicht weit und die Stimmung entspannt. Mich hat Hoorn am IJsselmeer überrascht, das war so bescheiden und unerwartet schön. Hier würde ich wieder hinkommen. Generell hat mir die Gegend rund um Avenhorn am allerbesten gefallen, man hat das Gefühl, im richtigen holländischen Leben zu sein, komplett entspannt und echt. Ich träume ja davon, mir irgendwann eine Wohnung oder ein kleines Häuschen in den Niederlanden zu kaufen, bislang aber ohne konkrete Vorstellung, wo das sein soll. Avenhorn ist mein neuer Sehnsuchtsort dafür.



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