Meditation vs. Erkältung – Om mani padme hatschi

Foto: Shashi Chaturvedula

Seit einer Woche bin ich krank. Am vergangenen Wochenende habe ich noch versucht, es zu ignorieren, am Montag und Dienstag habe ich meine Präsenztermine abgesagt und im Homeoffice weitergearbeitet – aber ab Mittwoch ging dann einfach gar nichts mehr. Also habe ich mich zum ersten Mal, seitdem ich meinen neuen Job habe, krank gemeldet. Drei Tage lang lag ich auf der Couch, unfähig, aufzustehen, fast unfähig, mich zu bewegen. Meine Nase war königlich verstopft und ich schnupfte und nieste den ganzen Tag und die ganze Nacht. Mein Kopf fühlte sich an wie aus Watte, ich hatte Halsschmerzen, Gliederschmerzen und war einfach komplett zerstört. Alle Corona-Tests (sechs daheim und ein Bürgertest) waren negativ, aber man sagt, dass genau diese heftigen Erkältungssymptome auch Anzeichen für Omikron sein können. Ein bisschen glaube ich selbst, dass das Corona war und bei mir als dreifach Geimpfter die Tests einfach nicht angeschlagen haben. Denn so umgehauen hat es mich schon viele Jahre nicht mehr.

Heute ist der erste Tag, an dem es mir etwas besser geht. Zwar fühl ich mich immer noch schwach und schnupfig, aber ich kann wieder einigermaßen gut durch die Nase atmen, was sich nach so vielen Tagen anfühlt wie ein wundervolles Geschenk. Und eben konnte ich sogar ganz sanft ein wenig Yoga machen. Die Zeichen stehen also gut, dass ich am Montag endlich wieder arbeiten kann. Zum Glück. Denn dieses stumpfsinnige Rumhängen ist so gar nicht meins.

Gerade meine paar Minuten Yoga heute morgen haben mir sehr geholfen, mich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Denn wenn ich es nicht auf die Matte schaffe, bin ich den ganzen Tag körperlich und emotional wie blockiert. Das Gleiche gilt für die Mini-Meditation, die ich, wenn es zeitlich geht, morgens oft noch anhänge.

Heute ist mir dabei ein Gedanke gekommen: Eine Erkältung ist eigentlich auch nur eine fiese Art der Meditation. ;) Glaubt Ihr nicht? Hier kommt meine augenzwinkernde Liste mit sieben Dingen, die Erkältung und Meditation gemeinsam haben.

Man atmet bewusst: Wenn man richtig krank ist und jeder Atemzug durch die verstopfte Nase zur Herausforderung wird, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich auf die Atmung zu konzentrieren und im Hier und Jetzt zu sein.

Alternate Nostril Breathing gelingt easy: Eine beliebte Übung ist das abwechselnde Atmen durch jeweils ein Nasenloch (hier eine Anleitung von Yoga With Adriene auf YouTube). Gesunde Menschen müssen sich mitunter sehr darauf konzentrieren, Kranken wie mir gelingt das wahrhaft meisterlich. Gut, statt uns die Nasenlöcher gezielt mit den Fingern zuzuhalten, schneuzen wir zwischendrin und sind jedesmal aufs Neue überrascht, wenn plötzlich das offene Nasenloch zu- und das verstopfte aufgeht. Aber das Prinzip ist das selbe. Soooo entspannend …

Der Kopf ist offline: Moment, wer gießt eigentlich die Pfanzen auf der Arbeit? Habe ich die Parkscheibe ins Auto gelegt, als ich vorgestern von der Ärztin kam? Und warum habe ich 1997 diesen einen Satz zu meinem Exfreund gesagt? Normalerweise läuft in meinem Kopf ein permanenter Audiokommentar mit, der mir dabei hilft, einigermaßen die Kontrolle über mein Leben zu behalten, zurück- und vorauszublicken und abzuwägen. Doch der Audiokommentar schweigt bei Erkältung, weil mein Kopf einfach offline geht. Hat vielleicht was mit der verstopften Nase zu tun, aber es scheint, als sei die Verbindung zwischen Hirn und Körper vorübergehend ausgeschaltet. Menschen auf der Suche nach Erleuchtung können sich freuen, denn genau darauf kommt es ja an bei der Meditation.

Das Gedankenkarussell steht still: Alltagsgedanken sind der Feind einer jeden guten Meditation – und können einem auch nachts ziemlich auf die Nerven gehen, wenn man versucht, wieder einzuschlafen. Doch wer tagsüber nichts erlebt, schlägt sich auch nachts nicht mit ungewollten Sinneseindrücken herum, die plötzlich verarbeitet werden wollen. Yes.

Das Stresslevel sinkt: Eine gute Meditation kann, ebenso wie eine fiese Erkältung, das Stresslevel massiv senken. Denn der Körper geht auf Alltagsentzug, denkt mal nicht nach und atmet nur. Das ist gerade für Menschen wie mich interessant, die immer kurz vor dem Durchdrehen sind, weil sich ihr Stressleven auch in weniger stressigen Phasen nicht mehr normalisiert.

Man erforscht den Grund der eigenen Existenz: Wer tagelang völlig allein auf der Couch liegt, wird sehr zurückgeworfen auf das Wesentliche. Wie kann es sein, dass die Zeit so langsam vergeht? Was brauche ich wirklich zum Überleben? Wer ist für mich da? Und was macht es eigentlich aus, dieses Leben? Bei einer guten Meditation kann es passieren, dass alles in seine Einzelteile zerfällt und plötzlich sichtbar wird. Bei einer guten Erkältung auch. Und beides kann gleichermaßen emotional schmerzhaft sein.

Man stellt die Weichen fürs Weiterleben: Der erste Tag, an dem es mir besser geht, ist ein wunderschöner, sonniger Früh-Frühlingstag. Alles in mir sehnt sich heute nach Erneuerung, nach Leben, nach Normalität und Gesellschaft und Blumen. So ein richtiges Ostergefühl ist das. Auch am Ende einer Meditation geht es mir oft so. Ich habe mir Zeit genommen, hinabzutauchen, Dinge zuzulassen, die Kontrolle abzugeben. Doch wenn ich zurückkomme, freue ich mich darauf, positiv in die Zukunft zu schauen und meinen Kopf und mein Leben wieder in Besitz zu nehmen.

Foto: Łukasz Rawa

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